Die Bundesregierung muß sich weiter gegen den "Kahlschlag"-Vorwurf wehren: Seit der Verabschiedung des Bundeshaushalts 1983 steht fest, daß rund drei Viertel der 520 000 Schüler, die heute "Bafög" erhalten, vom nächsten Herbst an auf das staatliche Stipendium verzichten müssen.

Wer sind die wenigen Begünstigten? 75 000 junge Leute, die "ausbildungsbedingt" nicht bei den Eltern wohnen können, waren schon in der Koalitionsvereinbarung von Union und FDP bedacht worden. Die Schüler der Abendschulen und Kollegs kommen jetzt dazu. Ihre Lehrer hatten sich schon arbeitslos gesehen – denn welcher junge Erwachsene würde auch ohne Stipendium in der Lage sein, das Büffeln fürs Abitur zum Full-Time-Job zu machen? Und außerdem hat es das Kabinett nicht für sinnvoll gehalten, am Bafög dort zu sparen, wo doch nur die Sozialämter einspringen müßten. "Für eine Übergangszeit" bekommen die Schüler aus armen Familien weiter Geld, aber weniger: Der Förderungsbetrag wird von monatlich 275 auf 200 Mark verringert und der Elternfreibetrag um 300 Mark auf 1100 Mark gesenkt. Für viele Familien wird Bildung zum teuren Gut, und viele Schüler werden rechnen lernen müssen – nicht nur die Grundschüler in Baden-Württemberg, denen zu Beginn des Schuljahres die Mengenlehre aus dem Stundenplan gestrichen worden ist.

Der Kindergarten ist keine von der Parteien Haß und Gunst freie Einrichtung. Im Schulausschuß des Stuttgarter Landtages warnten nach Mitteilung der Landtagspressestelle Abgeordnete der CDU vor einer "Überfremdung" der Kindergärten und Schulklassen. Die CDU sprach auch von der Gefahr einer "Verfremdung einer deutschen Minderheit". Ausländerpolitik in schlechtem Deutsch.

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Solidarität ist ein Fremdwort. In Berlin sind zwei beamtete Lehrer vor das Arbeitsgericht gezogen. Das zuständige Schulamt hatte ihnen und einigen Kollegen den Nebenjob an einer Volkshochschule gekündigt, wo sie bildungswillige junge Leute auf den Hauptschulabschluß vorbereiteten. Die Stellen wurden nicht etwa gestrichen: arbeitslose junge Lehrer sollten wenigstens so etwas wie eine halbe Stelle in ihrem Beruf bekommen.

Jetzt müssen die Richter klären, ob Beamte, die mehrmals hintereinander Arbeitsverträge auf Zeit für Nebenbeschäftigungen abgeschlossen haben, vollen Kündigungsschutz genießen. Die beiden Lehrer jedenfalls sehen das so; sie haben sogar das Angebot abgelehnt, auf einen Teil ihrer Pflichtstunden am Vormittag zugunsten der Abendkurse zu verzichten. Wenn es nach ihnen geht, bleiben die arbeitslosen Kollegen draußen. Den Abendschülern kann eigentlich egal sein, wer sie unterrichtet. Oder soll ein Lehrer vielleicht doch ein Beispiel für seine Schüler sein?

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Nicht Bayerns Hans Maier, sondern Hans Schwier aus Nordrhein-Westfalen hat für Mehrarbeit der Professoren und kürzere Universitätsferien plädiert. In der vorigen Woche hat sich an diese Stelle der Name des falschen Hochschulministers eingeschlichen. Peter Pedell