Von Jutta Duhm-Heitzmann

Eine Wut hab ich. So eine Wut. Einmal mit denen reden können. Diskutieren, was die sich dabei gedacht haben." Rhett Waida, ein drahtiger Mann Ende dreißig, haut nervös mit seinem Kugelschreiber auf den Tisch, bohrt dann die Hände in die Hosentasche, vibriert am ganzen Körper vor unterdrückter aggressiver Spannung.

Er war so souverän gewesen am Anfang des Gesprächs, so locker und lässig. "Das ist vorbei", hatte er gesagt, und: "Ich will eigentlich nicht mehr daran denken". Nach zwei Stunden bröckelte die Fassade von routinierter Erzählung und mißtrauischer Glätte, kochte die ganze Erbitterung hoch, auf die ich in allen anderen Gesprächen gestoßen war mit den "Geiseln von Mogadischu".

Vier palästinensische Terroristen hatten im Oktober 1977 die Lufthansa-Maschine "Landshut" auf ihrem Flug von Mallorca nach Frankfurt entführt. Fünf Besatzungsmitglieder und 82 Urlauber an Bord, Männer, Frauen, Kinder, darunter eine 90jährige und ein zwei Jahre altes Kind, wurden Geiseln und sollten gegen elf RAF-Mitglieder in deutschen Gefängnissen ausgetauscht oder samt Flugzeug in die Luft gesprengt werden.

In der Bundesrepublik, die sowieso geschüttelt war von latenter Hysterie und Angst vor weiteren Terroranschlägen nach der Entführung von Hanns Martin Schleyer vor 38 Tagen, gab es fast nur ein Gesprächsthema: Austauschen oder hart bleiben?

Fünf Tage langes Warten. Plötzlich Jubel: Die GSG 9 hatte die Maschine im Handstreich gestürmt. Alle Geiseln waren frei, drei Terroristen erschossen. Wir hatten uns nicht erpressen lassen.

Und dann trafen die Geiseln auf dem Frankfurter Flughafen ein: dreckig, verschwitzt, stinkend, erschöpft, erleichtert. Manche noch wie erstarrt. Manche heulten, als zur Begrüßung das Deutschlandlied gespielt wurde. Einige waren verletzt. Aber alle glaubten, was Minister Hans-Jürgen Wischnewski sagte: Daß Deutschland stolz sei und daß ihnen "schnell und unbürokratisch" geholfen würde.