Karin Schmid: "Die Verfassungssysteme der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Eine vergleichende Darstellung." Angesichts der Tatsache, daß auch und gerade linke Autoren mit einer Renaissance der "deutschen Frage" liebäugeln und Systemvergleiche eher spärlich erscheinen, stößt der Titel dieser Studie zunächst auf gesteigertes Interesse. Doch der Leser wird enttäuscht. Die Autorin, ausgewiesene Osteuropaexpertin, betont in ihrer Vorbemerkung zu Recht die Problematik eines Vergleichs unterschiedlicher Rechtssysteme. Dafür liefert sie unfreiwillig einen Beweis. Ihre Studie erschöpft sich praktisch in einer gemeinplatzartigen und blutleeren Gegenüberstellung der beiden Verfassungssysteme. Der eigentliche Vergleich beschränkt sich auf nicht einmal zehn Seiten, wobei das Kapitel "Aspekte der Verfassungswirklichkeit" aus ganzen zwei (!) Sätzen besteht. Der Untertitel ist daher irreführend. Zudem fallen einige Ungereimtheiten bei der Beschreibung des politischen Systems der Bundesrepublik auf. Beispielsweise: Frau Schmid macht sich nicht nur die offenbar unausrottbare Auffassung zu eigen, in der Bundesrepublik existiere ein Mischwahlsystem; sie weiß offenbar auch nicht, daß das Bundesgebiet in 248 Wahlkreise eingeteilt ist und nicht in 259 – die 22 Berliner Abgeordneten werden nämlich vom Abgeordnetenhaus gewählt. Falsch ist ferner die Ansicht, in der Bundesrepublik sei sowohl ein Ein- als auch ein Mehrparteiensystem möglich; das Mehrparteienprinzip gehört zu den nicht zu verändernden Grundsätzen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Völlig unnötig wird die Schrift durch einen Dokumentationsteil aufgebläht, der den Text der beiden Verfassungen enthält und umfangreicher ist als die Darstellung der Autorin. Ein einschlägiger Systemvergleich, der zugleich die theoretisch-methodischen Implikationen reflektiert und die Verfassungswirklichkeit eingehend berücksichtigt, bildet deshalb nach wie vor ein Desiderat der politischen Bildung als auch der Forschung (Berlin Verlag, Berlin 1982, 212 S., 24,–DM). Eckhard Jesse