Über die Zahl der Hochschulabsolventen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Von Wilhelm Strobel

Die Zahl der Studenten, die ihr Studium mit Erfolg abschlössen, sei mit den Studentenzahlen ständig gewachsen und habe 1980 rund 144 000 erreicht. Dies ist eine Kernaussage der noch unter dem ehemaligen Bonner Bildungsminister Engholm erstellten Studie „Studienerfolg – Aufwand und Ertrag“, mit der die Habenseite der „Erfolgsbilanz“ hochfrisiert wurde auf die überhöhte Sollseite von Studentenzahlen und Hochschulausgaben. Auch der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, Turner, schreckt nicht vor solchen Aufbauschereien zurück. Und das neue Bildungsteam Wilms-Pfeifer hat das Ganze zwar als schönfärberische Sanierungsbilanz eingestuft, jedoch den Absolventenschwindel gelassen.

Die Wiesbadener Statistik hingegen hatte für 1980 alles viel kleiner vorgezeichnet. Sie hatte etwa 35.000 Graduierte (an Fachhochschulen und dergleichen) gezählt, von denen erfahrungsgemäß mehrere tausend sich anschließend um einen Universitätsgrad bemühen. Insgesamt etwa 75 000 (darunter 29 000 Lehrer) erreichten ein solches Diplom- oder Staatsexamen, das für viele Tausend nicht die Endstation bedeutet. Von diesen Unentwegten wurden 1980 etwas über 12 000 mit dem Doktorhut belohnt. Daß all diese Zahlen nicht zu niedrig waren, zeigt eine interne Zählung, die überraschend einige tausend weniger ergab. Zieht man nun die vielen tausend Doppelexamina und noch die Zahl der knapp 5000 Ausländer ab, dann kommt man auf unter 100 000 deutsche Absolventen, die 1980 ihr Studium endgültig mit Erfolg abgeschlossen haben. Wer weiter in die Vergangenheit zurückgeht, muß erfahren, daß schon Mitte der siebziger Jahre die Absolventenzahl von 1980 erreicht war.

Absolventenzahl stagniert

Dies bedeutet, daß etwa jeder siebte Mann und jede elfte Frau unter den heute dreißigjährigen Deutschen Hochschulabsolventen sind. Und die dem Universitätsabschluß von 1952 vergleichbare Examenszahl ist in 30 Jahren auf etwa das Dreifache angestiegen. Überdies ist in der schon viele

Jahre währenden Absolventenstagnation ein deutsches Sättigungszeichen zu erkennen: In Zukunft wird allenfalls jeder sechste Mann und jede neunte Frau der nachrückenden Jahrgänge eine Hochschule erfolgreich absolvieren. Mit den geburtenstarken Jahrgängen kann so die Zahl der endgültig fertigen Absolventen auf bis zu 150 000 im Jahr ansteigen.