Die indische Ministerpräsidentin empfing in Neu-Delhi den pakistanischen Staatschef – Ende einer Erbfeindschaft?

Indira Gandhi und Zia ul-Haq hatten bislang allenfalls am Rande größerer internationaler Zusammenkünfte miteinander geredet – 1980 etwa bei Titos Beerdigung in Belgrad. Jetzt machte der Pakistani auf dem Weg zu Staatsbesuchen bei den islamischen Brüdern in Malaysia und Indonesien Station bei der Nachbarin. Frau Gandhi nannte das Gespräch „herzlich“, und Zia ging noch weiter: „Ich glaube, so Gott will, wir haben den Weg für ein besseres Verhältnis zwischen Pakistan und Indien geebnet.“

Die Beziehungen der Nachbarn auf dem Subkontinent ist von drei Kriegen seit 1947 belastet; der Streit um die seit 1949 geteilte Provinz Kaschmir ist ungelöst. Pakistans Anlehnung an den Westen und Indiens Freundschaft mit Moskau machten aus dem regionalen Konflikt ein Thema der Weltpolitik. Die beiden armen Länder befinden sich seit Jahren in einem hektischen Rüstungswettlauf.

Der Militärdiktator und die Premierministerin haben beide gute Gründe, aufeinander zuzugehen. Zias Engagement gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans hat ihm nicht die zusätzliche Hilfe aus den USA und den arabischen Ölstaaten eingebracht, mit der er gerechnet hatte. Der Afghanistan-Krieg droht auf sein Land überzugreifen und gefährdet die Stabilität des Regimes. Der General braucht außenpolitische Entlastung; auf vage Entspannungswünsche in Richtung Moskau folgte jetzt der Vorschlag eines Nichtangriffspaktes mit Indien.

Die indische Regierung will mehr: einen Vertrag über „Friede, Freundschaft und Zusammenarbeit“. Angesichts anhaltender Unruhen unter den nahe der pakistanischen Grenze lebenden Sikhs kann Indira Gandhi keine Konflikte mit dem Nachbarn im Nordwesten brauchen; auch die Annäherung der indischen Außenpolitik an den Westen verträgt sich nicht mit anhaltender indisch-pakistanischer Feindschaft. Und schließlich soll im kommenden Frühjahr die Konferenz der Blockfreien in Neu-Delhi beginnen; die Gastgeberin muß an guten Beziehungen zur islamischen Staatengruppe interessiert sein.

Gute Vorsätze sind also vorhanden; die Standpunkte lassen sich aber nicht leicht überbrücken. Indien möchte vertraglich festlegen, daß beide Staaten ihre Konflikte alleine lösen, seine Annexion des größten Teils von Kaschmir also praktisch festschreiben. Beide Staaten sollen sich außerdem verpflichten, keinen fremden militärischen Einheiten Einrichtungen auf eigenem Boden zur Verfügung zu stellen. Pakistan lehnt das bisher ab.

Nach dem Gipfeltreffen wollen Indira Gandhi und Zia ul-Haq jetzt Staatssekretäre der beiden Außenministerien über einen Kompromiß verhandeln lassen.

HJG