Max Grundig ist fest entschlossen, sein Konzept einer Kooperation in Europa zur Abwehr der Japaner auf "höchster Ebene" durchzusetzen: "Die Mikroelektronik wird die Welt und auch die Politik verändern", sagte er dazu beziehungsvoll. Er legte bereits ein detailliertes Schema für eine Zusammenarbeit vor, und er hofft, daß dabei ein Gesamtumsatz von acht Milliarden Mark zusammenkommt.

Da seine eigene Firma in diesem Jahr allein auf 3,5 Milliarden kommen dürfte, hofft er somit auf starke Mitstreiter. Sein Konzept sieht neben Telefunken drei weitere Partner vor. Über die Namen schweigt er sich aus, aber nachdem die Bosch-Tochter Blaupunkt bei Video endgültig mit Matsushita zusammenarbeitet, kämen dafür nur die deutsche ITT-Gruppe und die Thomson Brandt-Töchter Saba und Nordmende in Frage.

In Grundigs Strategiepapier finden sich eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft, aber getrennte Firmen für Produktion und Verkauf. Zwischen Fabrikation und Vertrieb will er allerdings als eine Art Super-Großhandelsfirma eine Eu-Ro GmbH dazwischenschalten, die zudem auch Produkte aus Fernost importieren und unter ihrer Handelsmarke verkaufen soll.

Grundig stellt sich auf den Standpunkt, dieses Kooperationsprojekt sei kartellrechtlich nicht relevant, da eine kapitalmäßige Verflechtung nicht geplant sei und die Konkurrenz der Marken erhalten bleibe. Doch er weiß natürlich, daß letztlich die Entscheidung bei den Kartellbehörden in Berlin und Brüssel und nicht in Fürth fällt.

Offensichtlich unangenehm berührt war die Geschäftsleitung des Hamburger Privatbankhauses M. M. Warburg – Brinckmann, Wirtz & Co, als erste Nachrichten über ihre Verhandlungen mit dem Bielefelder Bankhaus Hermann Lampe KG an die Öffentlichkeit drangen. Weniger geheimnisvoll tat der Partner. Er bestätigte, daß über eine Beteiligung von Warburg an Lampe verhandelt würde. Eine spätere Fusion beider Häuser zu einer der größten deutschen Privatbanken gilt offenbar nicht als ausgeschlossen. An Lampe ist Oetker zu 75 Prozent beteiligt, die Deutsche Genossenschaftsbank zu 25 Prozent. Rudolf A. Oetker bestellt zur Zeit sein Haus. Dazu gehört auch die Zukunftssicherung von Lampe.

In Hamburg gibt es Kräfte, die der seit 1798 bestehenden Privatbank eine bessere Entfaltungsmöglichkeit in einem größeren Verbund einräumen. Sie hatten vor einiger Zeit eine Verbindung zur Effektenbank-Warburg AG, Frankfurt, gesucht, die jedoch infolge des Widerstandes aus dem Hamburger Kommanditistenkreis nicht zustande kam. Klappt es diesmal mit Lampe, hält die Börse schon den Namen, der fusionierten Bank bereit: "Wirtz-Haus Lampe!"