Von Ria Endres

"Als die Scheinwerfer ausgingen, erhellte nur noch das kalte Auge eines öden Fernsehschirms die Bühne. Die teuflische Maschine saß auf dem Schoß eines mysteriösen Deutschen namens Heinz, der sie umarmte, während er die Worte eines noch geheimnisvolleren Textes aussprach (...)."

Der kollektive Selbstmord der Beach-Boys" lautet der Titel von Show-Fragmenten, mit denen Heinz Emigholz 1977 den Rezensenten der Washington Post beeindruckte. Zuerst sind es Eindrücke, die an seinen Arbeiten Neugier hervorrufen und Abwehr. Die Filme, Texte und Zeichnungen sperren sich einem raschen Zugriff, der die Erregung bändigen soll. Das trifft besonders auf alle seine Filme von 1972 bis 1982 zu: "Schenec-Tady I-III", "Arrowplane", "Tide", "Stuhl", "Hotel" und "Demon". Sie zeigen ein beständiges Arbeiten; es läßt sich weder zum Avantgardfilm hochpäppeln, noch zum Experiment zusammenquetschen. Einem aufmerksamen Betrachter dämmert, daß die "normale" Ästhetik des Kinos sich vor allem auf die absurde Attraktivität der Harmonisierung zurückgezogen hat, der sich die Filme von Heinz Emigholz schroff versagen.

Auf dem "12. internationalen forum des jungen films" (1982) zeigte Heinz Emigholz seinen neuen Film "Normalsatz". Im Programmheft steht: "Ein Kampf mit dem Strick, den uns die Sprache dreht." Die Sätze dieser Sprache hat er über ein Jahrzehnt lang in Notizbüchern gesammelt.

Heinz Emigholz beschäftigt die Erinnerung an Sätze, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert und wieder fallengelassen werden. Er geht äußerst akribisch seiner eigenen Erinnerungsstruktur nach, die zu einem "festen eingelagerten Assoziationsmaterial" im Gehirn "paßt". Das ergibt vielfältige Möglichkeiten der Verknüpfung. Zulieferanten sind die "äußeren und inneren Ohren" als offene (oder geschlossene) Türen des akustischen Raumes.

Zugleich weist er immer wieder auf ein Experiment hin, das Willy Kühne 1878 unternahm. Er schlachtete ein Kaninchen, als es aus dem Fenster sah. Im Augenblick des Todes war auf dessen Retina das Bild des Fenstergitters stehengeblieben. Heinz Emigholz schließt daraus: "Vielleicht bleibt ein Satz im Moment unseres Todes im Gehirn stehen, und wir versteinern darüber."

Im Film "Normalsatz" werden viele Sätze gesprochen, die meine Ohren so erreichen, als wären sie schon immer tot und erstarrt; aber es gibt auch andere Sätze, die sich im Kopf einnisten, umdrehen, ausdehnen und sich mit anderen Sätzen und Bildern überlagernd verknüpfen. Die "normalen" Sätze begleiten den Film wie ein Klebeband, werden von den Bildern zerrissen, oder verschluckt, oder widerlegt. Es gibt auch Sätze, die eine scheinbar unschuldige Verdopplung im Bild erhalten. "Plötzlich den Schatten der Bäume im Gras sehen", sagt der Darsteller in einem langen Straßenmonolog, und da liegen Schatten vor seinen Füßen. Andere Satzzuordnungen haben auch ohne Bild eine bildhafte Präsenz: