Bis zum Montag dieser Woche war die Inflation in Frankreich von Staats wegen verboten. Auch die Löhne sind dort 130 Tage lang durch den Staat am Steigen gehindert worden. Nach dem Auslaufen der Frist konnten die Stoppschilder aber nicht ersatzlos weggenommen werden – es wäre sonst zu gewaltigen Preis- und Lohnschüben gekommen. Ein kompliziertes staatliches Kontrollsystem wurde notwendig. Die Marktfreiheit bleibt auf der Strecke – mit allen bedenklichen Konsequenzen.

Wenn wir diese Freiheit bei uns erhalten wollen, muß der Staat sich aus der Preis- und Lohnpolitik heraushalten, soweit er nicht selbst Arbeitgeber ist. Die Preise soll er den Unternehmern und dem Wettbewerb, die Löhne den Tarifparteien überlassen.

Und dennoch, auch da birgt das Beispiel Frankreichs eine Warnung, ohne Regeln der Rücksichtnahme wird es nicht gehen. Für die Wiederbelebung der Konzertierten Aktion, in der Gewerkschaften, Arbeitgeber und der Staat regelmäßig ihr Verhalten abklären, ist es wohl noch zu früh. Zu stark hat der Geist der Konfrontation das Verhalten der Tarifpartner bestimmt, seit die Arbeitgeber 1977 mit einer Verfassungsklage gegen das Mitbestimmungsgesetz das gute soziale Klima zerstörten. Aber der Weg zurück muß gefunden werden. Die Arbeitgeber sollten dazu die Initiative ergreifen. R. H.