Wer in einem Lexikon unter "Elektrizität" nachschlägt, erfährt da, daß elektrische Energie erst vom 18. Jahrhundert an entdeckt wurde und ihre praktische Nutzung noch sehr viel jünger ist. Zwar wurde um 1600 die "Reibungselektrizität" entdeckt, indem man bemerkte, daß Bernstein, den die Griechen "Elektron" genannt hatten, nach dem Reiben leichte Körper anzieht. Aber erst als Luigi Galvani (1737 bis 1798), Professor der Anatomie in Bologna, bei seinem berühmten Froschschenkelversuch von 1789 "tierische Elektrizität" gefunden zu haben meinte, begann die Erforschung dieser noch lange Zeit höchst geheimnisvollen Kraft.

An Galvani erinnert bis heute das "Galvanisieren", genauer die Galvanotechnik. Das ist die Herstellung von metallischen Niederschlägen auf leitend gemachten Gegenständen mit Hilfe elektrischen Stroms durch Elektrolyse. Dieses Verfahren, das vor allem dem Versilbern und Vergolden dient, wurde nicht schon von Galvani erfunden, sondern 1840 von dem jungen Werner Siemens, der sich später erinnerte: "Ich glaube, es war eine der größten Freuden meines Lebens, als ein neusilberner Teelöffel, den ich mit dem Zinkpole eines Danielischen Elementes verbunden in einen mit unterschwefligsaurer Goldlösung gefüllten Becher tauchte, während der Kupferpol mit einem Louisdor als-Anode verbunden war, sich schon in wenigen Minuten in einen goldenen Löffel vom schönsten, reinsten Goldglanze verwandelte."

Siemens, der seine Erfindung für 1500 Pfund nach England verkaufte und 1842 mit einem Berliner "Neusilber-Fabrikanten" einen Vertrag schloß, ihm gegen Beteiligung am Gewinn eine "Anstalt für Vergoldung und Versilberung" einzurichten, wäre wohl ungläubig erstaunt gewesen, wenn man ihm gesagt hätte, daß die Vergoldungsmethode vielleicht schon zwei Jahrtausende zuvor angewandt wurde. Allerdings hätte dies zu seiner Zeit niemand für möglich gehalten.

Aber ein Jahrhundert später, 1936, wurde von dem deutschen Archäologen Wilhelm König in einer parthischen Siedlung bei Bagdad ein merkwürdiger Apparat gefunden aus der Zeit um Christi Geburt. Er bestand aus einer 18 Zentimeter großen Terrakotta-Vase, die einen etwas kürzeren Kupferzylinder enthielt, in dem ein oxydierter Eisenstab steckte, mit Resten von Bitumen und Blei daran. Schon König kam auf die scheinbar aberwitzige Idee, es könne sich bei diesem Apparat (von dem später noch mehrere ans Licht kamen) um eine Strom erzeugende Batterie handeln. Alle notwendigen Teile waren jedenfalls weitgehend erhalten, dazu die Reste des als Isolier- und Dichtungsmasse dienenden Bitumens. Wenn diese Kupfer-Eisen-Konstruktion nun mit einer sauren oder laugenartigen Flüssigkeit aufgefüllt würde, hätte man ein galvanisches Element.

Daß eine solche Batterie tatsächlich elektrischen Strom erzeugte, wurde 1957 in einem Versuch bei der General Electric in Pittsfield (USA) bewiesen. Und im Sommer 1978 wurden im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum anläßlich der Ausstellung "Sumer-Assur-Babylon" noch weitergehende Versuche mit einer solchen (nachgebauten) Batterie gemacht. Dabei nahm der Ägyptologe Arne Eggebrecht als Batterieflüssigkeit den Saft frisch ausgepreßter Trauben, und er gewann einen Strom mit einer Spannung von 0,5 Volt.

Der Hildesheimer Versuch hat das amerikanische Ergebnis von 1957 bestätigt, daß es sich bei dem im Ruinentempel von Chujut Rabuah gefundenen Apparat aus der Zeit vor zwei Jahrtausenden und bei weiteren solcher Kupferzellen, die in Seleukia am Tigris und im benachbarten Ctesiphon, der parthischen Hauptstadt, gefunden wurden, wirklich um elektrische Batterien handelt. Und mehr: In einem zweiten Teil des Experiments wurde die Stromquelle mit einer Galvanisierwanne verbunden, in der innerhalb von zweieinhalb Stunden eine kleine silberne Figur rundum vergoldet wurde.