ZEIT: Für die Mineralölindustrie gibt es einen kleinen Lichtblick. Im bisherigen Verlauf dieses Jahres ist der Absatz von Motorenbenzin gestiegen. 1981 hatte es dagegen einen Rückgang gegeben. Entspricht diese Entwicklung Ihren Erwartungen, oder sind Sie davon überrascht worden?

Kohlmorgen: Es ist richtig, daß in den ersten neun Monaten dieses Jahres reichlich ein Prozent mehr Benzin in der Bundesrepublik verbraucht worden ist als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Für das ganze Jahr 1982 rechnen wir mit einem leichten Zuwachs, während wir Anfang dieses Jahres noch einen geringfügigen Rückgang erwartet hatten. Der Unterschied zwischen Erwartung und Ergebnis ist jedoch nicht so groß, daß er eine Überraschung ausgelöst hat.

ZEIT: Nun war Motorenbenzin – jedenfalls bisher – dieses Jahr billiger als in den vergangenen zwölf Monaten. Könnte das den Druck aufs Gaspedal verstärkt haben?

Kohlmorgen: Nein. Das erscheint uns nicht sehr wahrscheinlich. Nach unserer Ansicht wird auch 1982 der durchschnittliche Benzinverbrauch je hundert Kilometer weiter zurückgehen. Auch die jährliche Fahrleistung wird sicher weiter vermindert. Beides deutet nicht auf ein Nachlassen im sparsamen Umgang mit Benzin hin. Der Verbrauchsanstieg ist vielmehr auf die Zunahme des Autobestandes zurückzuführen.

ZEIT: Aber auch 1981 hatte der Kraftfahrzeugbestand zugenommen, dennoch ist damals weniger Sprit aus den Zapfsäulen geflossen. Wo liegt der Grund für diesen Unterschied?

Kohlmorgen: Der Rückgang des Benzinverbrauchs im vergangenen Jahr war vor allem die Fol- ge einer Änderung des Verhaltens. Die Autos wurden bewußter benutzt, so daß die jährliche Fahrleistung um sechs Prozent auf rund 12 000 Kilometer zurückging. Dadurch vor allem ergaben sich die Einsparungen. Eine Fortsetzung dieser Verhaltensänderung war nicht zu erwarten.

ZEIT: Wie wird es Ihrer Ansicht nach weitergehen?