Nach drei mageren Jahren gab es in diesem Herbst eine Rekordernte

Die Freunde des Frankenweins reagierten sauer: Die Preise für den begehrten Tropfen kletterten und kletterten, und in "gutbürgerlichen" Lokalen kostete der Schoppen in diesem Jahr bis zu zehn Mark. Die fränkischen Winzer waren drei Jahre lang vom Pech verfolgt. 1979, 1980 und 1981 wurden an den Hängen von Main, Saale und Tauber jeweils nicht einmal die Hälfte einer guten Durchschnittsernte von rund 400 000 Hektolitern gelesen: Magere 116 000, 141 000 und 187 000 Hektoliter brachten die letzten drei Jahre, ein bisher noch nie registrierter Tiefschlag, der die Gestehungskosten je Liter bei einzelnen Sorten in extreme Höhen trieb.

In diesem Jahr holte die Natur nun alles, was sie den 6500 Frankenwinzern so lange durch schlechte Witterung vorenthielt, in verschwenderischer Fülle nach. Die Erntemenge wird alles übertreffen, was bisher statistisch erfaßt wurde. Der Direktor des fränkischen Weinbauernverbandes, Jochen Freihold, rechnet mit 750 000 Hektolitern, nachdem er bei der ersten Schätzung Ende Juli schon mit dem Jubelruf: "Das ist verrückt" 500 000 Hektoliter einkalkuliert hatte. Das bisher beste Ergebnis in der Quantität war 1977 mit 477 000 Hektolitern erreicht worden.

Gewiß, überall in deutschen Landen steht der Weinwirtschaft diesmal ein der Menge nach starker Jahrgang ins Haus – man schätzt ihn auf 13,4 bis 14 Millionen Hektoliter, nach den "voll vermarkteten" 7,8 Millionen des Vorjahres. Aber nirgendwo ist der Überfluß nach drei extrem geringen Lesen so spektakulär wie in Franken. Zu dem überreichen Segen verhalfen den Weinbauern die beiden Regenwochen Anfang Oktober. Die lang ersehnte Feuchtigkeit, so Freihold, brachte "Leben in die Reben" und ließ den Ertrag um mindestens zehn Prozent wachsen.

Mit der Qualität allerdings ist man dennoch nicht besonders zufrieden, da der trockene, heiße Sommer die Energie in den Rebstöcken erlahmen ließ. Freihold: "Die Trauben machten Siesta." In Franken wird es nur etwa zwanzig Prozent Prädikatsweine geben. Es überwiegt der Qualitätswein. An frischen Zecherweinen ist jedoch großer Mangel – eine Enttäuschung für die Weintrinker, deren Erwartungen oft genug auch von Spitzengewächsen nicht erfüllt wurden.

Zwar dürften nach den drei schlechten Ernten die Fässer weiterhin auch für die Überfülle dieses Herbstes ausreichen, aber die Winzergenossenschaften und Weingüter werden alles tun, um möglichst noch vor Weihnachten die ersten Literflaschen mit 82er zu bringen, denn ihre Finanzlage ist stark angespannt. In diesem Jahr hatten die fränkischen Winzer den bayerischen Fiskus schon um Steuerstundung bitten müssen, aber – so Freihold – "nirgendwo ist die Stimmung aufgekommen, den Staat um Subventionen anzugehen".

Es wird dieses Jahr also auch einen "Fränkischen Primeur" geben, mit einem Literpreis zwischen sieben und acht Mark. Die Durchschnittspreise für den 1980er bewegten sich bei zehn Mark für Qualitätswein, zwölf bis 14 für Kabinett und 15 bis 18 Mark für Spätlese. Auch beim großen Weingut des Fürsten Castell im Steigerwald stellt man sich jetzt auf einen Literpreis von rund 7,50 Mark ein.