Die Aufgabe gemeinnütziger Wohnungsunternehmen, einkommensschwache Bevölkerungsschichten mit billigem Wohnraum zu versorgen, knüpft an die Tradition der 1848 gegründeten „Berliner gemeinnützigen Baugesellschaft“ an. Als gesetzliche Basis für die Ende des vorigen Jahrhunderts und nach dem Ersten Weltkrieg wie Pilze aus dem Boden schießenden gemeinnützigen Wohnungsunternehmen wurde 1930 die Gemeinnützigkeitsverordnung erlassen. Sie wurde 1940 weitgehend unverändert in das „Gesetz über die Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen – Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz – (WGG)“ übernommen und 1969 durch die „Verordnung zur Durchführung des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGGDV)“ aktualisiert.

Nach dem Wohnungsgemeinnützigkeitsrecht sind die von der Anerkennungsbehörde (Regierungspräsident/Baubehörde) als „gemeinnützig“ eingestuften Wohnungsunternehmen verpflichtet: Kleinwohnungen zu bauen, einen mieter- und preisfreundlichen Geschäftsbetrieb kostenwirtschaftlich zu fuhren, keine Vergünstigungen oder Entschädigungen zu gewähren, „die über die in öffentlichen Betrieben üblichen Beiträge hinausgehen“, sich nicht mit dem gewinnorientierten Baugewerbe zu verflechten sowie die jährliche Dividende an die Gesellschafter auf vier Prozent der eingezahlten Kapitaleinlagen zu begrenzen. Die Einhaltung dieser Grundregeln wird von der Anerkennungsbehörde und zehn regional zuständigen Prüfungsverbänden kontrolliert, die im Kölner „Gesamtverband gemeinnütziger Wohnungsunternehmen“ zusammengefaßt sind. Findet ein „dem satzungsmäßigen Zweck oder den guten Sitten“ nicht entsprechender Geschäftsbetrieb statt, so muß die Gemeinnützigkeit entzogen werden.

Sozusagen als Belohnung für die im Interesse der Kleinverdiener auferlegten Beschränkungen wird den gemeinnützigen Wohnungsunternehmen nach dem WGG und der Abgabenordnung (AO) von 1977 weitgehende Steuerfreiheit gewährt, wodurch der Öffentlichen Hand jährlich über eine halbe Milliarde Mark entzogen werden.

Derzeit sind über 1800 Wohnungsunternehmen mit rund 40 000 Beschäftigten und einem Bestand von über 3,3 Millionen Wohnungen als gemeinnützig anerkannt. Die gemeinnützige Neue Heimat (NHG) hält mit etwa zehn Prozent des Branchenvolumens die Spitzenstellung.

Im Gegensatz zur NHG arbeitet die ebenfalls unter dem Konzerndach der Neuen Heimat angesiedelte Neue Heimat Städtebau (NHS) ausschließlich gewinnorientiert.