Die vortrefflichen Beziehungen, in denen sie (Leni Riefenstahl) zu den Nazis stand, sichern ihr ebensolche Beziehungen zu deren Nachfolgern. Und die Sache vereinfacht sich noch dadurch, daß ja zumeist diese Nachfolger mit jenen Vorgängern identisch sind. Viele nämlich, die unter dem Regime des Hakenkreuzes auf einflußreichen Posten saßen, sind von ihren Stühlen nur aufgestanden, um sich selber Platz, zu machen.

Alfred Polgar 1949 über einen Prozeß, den Leni Riefenstahl gegen einen Journalisten, der kritisch über ihre Vergangenheit geschrieben hatte, führte und gewann. Aus: Alfred Polgar, Kleine Schriften Band I, kürzlich erschienen im Rowohlt Verlag.

Todesstrafe?

Es gibt, so übertrieben und pathetisch es sich anhören mag, die Gefahr, daß einige der Wortführer des Komitees zur Gesellschaftlichen Selbstverteidigung (KOR) in Polen zur Todesstrafe verurteilt werden. Zuerst interniert, dann verhaftet und kürzlich wegen Vaterlandsverrat und Verschwörung angeklagt sind Jacek Kuron, Adam Michnik, Jan Litinsky, Jan Jozef Lipski und Henrik Vujec. Die Parteipresse sieht die Anklage bereits als bewiesen. So ist nicht auszuschließen, daß sich das Gericht dieser Auffassung anschließt; die Gesetzgebung gestattet tatsächlich den schwerwiegenden Urteilsspruch: Todesstrafe. Wer das als antikommunistische Überängstlichkeit abtun will, mag daran erinnert sein, daß nach dem Budapester Aufstand 1956 trotz des Versprechens, es geschähe ihnen nichts, Imre Nagy, Miklós Gimes, Pal Maléter und Jozsef Szilágyi nach einer Gerichtsverhandlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit hingerichtet wurden. Der KOR-Prozeß, ein russischer Exorzistenprozeß gegen Dämonen, ist in Wahrheit die Kapitulation einer Staatsmacht, die vergebens versucht hat, führende Intellektuelle wie die Angeklagten zu korrumpieren.

„manuskripte“-Preis für Literatur

Die österreichische .Literaturzeitschrift manuskripte, die seit mehr als zwanzig Jahren von Alfred Kolleritsch und Günter Waldorf in Graz herausgegeben wird, ist in Zukunft mit einem überregionalen Preis verbunden. Auf Empfehlung einer fünfköpfigen Jury hat die Steiermärkische Landesregierung jetzt zum erstenmal den „manuskripte“-Preis für Literatur vergeben. Den Preis (etwa 7500 Mark) erhielt Ernst Jandl „für seine hervorragenden literarischen Leistungen und die jahrelange Zusammenarbeit mit der Literaturzeitschrift manuskripte“. Beim Literatursymposion des „Steirischen Herbstes“ 1982, das am 11. November beginnt, wird ein weiterer Preis „Für Form und Fiktion“ verliehen, den der Schweizer Schriftsteller Jürg Laederach gestiftet hat (ca. 1500 Mark, die durch Spenden erhöht werden können). Diesen Preis erhält Laederachs Landsmann Renato P. Arlati. „Man muß hoffen“, schreibt Laederach, „das Preischen nütze entweder, oder es setze einen Prozeß des Nützens in Gang, mittels größerer Preise.“

Stolz und Bitternis

Der taz geht es mal wieder schlecht. Die alternative Tageszeitung mit einer Auflage von etwa 40 000 Exemplaren arbeitete immer schon an der Grenze (nach normalen Maßstäben: darunter) des finanziellen Existenzminimums. Anders als übliche Zeitungen, die sich zu etwa 65 Prozent aus dem Anzeigenerlös finanzieren, gewinnt das Blatt, infolge traditioneller Keuschheit in kapitalistischen Dingen, bloß vier Prozent seiner Einnahmen aus dem Annoncengeschaft. Die Erhöhung des Verkaufspreises vor einigen Monaten ließ die Abonnentenzahl gefährlich zurückgehen. An allen Ecken fehlt es an Geld, Gehälter (ohnedies selbstausbeuterisch niedrig) werden nur noch in Fünfhundert-Mark-Raten ausgezahlt. Jetzt wirbt die taz um neue Abonnenten. „Wir sind erschöpft, aber nicht ausgeschöpft, wir sind überarbeitet, aber deswegen nicht müde. Müde sind wir, weil wir es leid sind, jeden Pfennig in der Hand umzudrehen.“ In einer Mischung aus Stolz und Bitternis charakterisiert sich die taz so: „Minister besuchen uns mit Bodyguards und bitten um ein Interview, Hausbesetzer besetzen uns, und wir bitten um ein Interview, Staatsanwälte räumen unsere Schreibtische auf. Wir sind eine allseits anerkannte Institution.“ So ist es. Die Wende ist da, die Aktienkurse steigen, aber die taz bleibt die taz.