In den Orkus mit der SPD

Erst war sie eine marxistische Arbeiterpartei, doch mit dem Godesberger Programm besann sich die SPD auf eine staatstragende Rolle; sie wurde zur "besseren CDU", von der diesem unserem Lande keine Gefahr mehr drohte. Aber dann hielten die Systemüberwinder wieder Einzug, und deshalb scheiterte die SPD endlich, aber gründlich als Regierungspartei. Und dieses historische Versagen versuche sie nun böswillig mit "Verrats"-Parolen und dem schlimmen Wort von der "Machterschleichung" zu kaschieren. So sieht es die CDU, und darüber klärt eine Broschüre ihrer Bundesgeschäftsstelle das unwissende Publikum auf. Titel; "Die SPD als Regierungspartei. Eine Schlußbilanz." Das klingt endgültig: keine Zukunft, in den Orkus damit, denn aufgemerkt: "Der Anspruch auf ein Moralmonopol, die verleumderische und menschenverachtende Wortwahl: all dies offenbart das gestörte Demokratieverständnis führender Sozialdemokraten." Die SPD hält mit einem wabernden Wortschwall dagegen. Der "Parlamentarisch-Politische Pressedienst" schrieb: "Die neue Regierung kriecht aus einem Sumpf von Lüge, Wortbruch, Wählerbetrug und kaltschnäuzigem Zynismus an die Macht." Der Machtwechsel als schauerliches Naturereignis: Wer in den Orkus muß, sieht es eben nicht gerne, wenn sich andere klammheimlich am eigenen Schöpfe aus dem Schlamm ziehen.

Streß-Aufsicht

Die Fluglotsen auf Moskaus internationalem Flughafen Scheretmetjewo haben einen neuen Aufseher bekommen: Der Genosse kontrolliert ihre Stimmen. Wenn sie zu erregt klingen, schreitet er ein, weil Streß die Sicherheit der Entscheidungen bedroht. Wie der neue Kontrolleur eingreift, verrät die Zeitung Moscow News allerdings nicht – der "Neue" ist ein Computer. Erfunden haben ihn die Wissenschaftler Pawel Simonow und Michail Frolow vom Moskauer Institut für Neurophysiologie, die seit längerem den Einfluß hoher nervlicher Belastung auf die menschliche Stimme erforschen. Ob ihr Computer freilich auch dazu beitragen kann, die hohe Zahl der Flugzeugkatastrophen in der Sowjetunion zu senken, muß vorerst angezweifelt werden. Nach Ansicht westlicher Experten sind Materialmängel, schlechte technische Ausrüstungen und Schlamperei, nicht aber Streß die Hauptursachen für die vielen Abstürze.

Eine Uhr für den Pontifex

Das Präsent, das Bundespräsident Carstens beim Staatsbesuch in Italien dem kommunistischen Bürgermeister von Rom überreichte, hielt sich im üblichen Rahmen: es war ein Stich der Stadt Bonn. Warum aber bekam der Papst als persönliches Geschenk eine Armbanduhr? Carstens selber lieferte Johannes Paul II. eine Gebrauchsanweisung von ungewöhnlichem Einfallsreichtum: "Damit Sie jedesmal, wenn Sie auf die Uhr schauen, an Deutschland denken." Der reisefreudige Pontifex ließ sich freilich so leicht nicht vereinnahmen und gab dem Mitbringsel lachend einen näherliegenden Verwendungszweck: "Damit der Papst nicht zu spät kommt."

Kohl ist flüssig

Daß jedermann von ihm unbesehen einen Gebrauchtwagen kaufen würde – dieses Erscheinungsbild pflegt Helmut Kohl selber am fleißigsten. Tatsächlich ist er noch vertrauenswürdiger. Selten, eigentlich nie haben Bundeskanzler und andere hochgestellte Politiker bisher Geld bei sich geführt. Die großen und staatlichen Rechnungen gingen über die Regierungskassen; für kleine, persönliche und unvorhergesehene Ausgaben konnten sie zur Not ihre ständigen Begleiter anpumpen. Anders Kohl: Als jüngst im Kabinett zugunsten der Welthungerhilfe gesammelt wurde, brachte der neue Regierungschef ein Portemonnaie zum Vorschein und entnahm ihm eine angemessene Banknote.