ZDF, Sonntag, 14. November, 10.30 Uhr: "ZDF-Matinee – Ein Sonntagsbesuch im Rijksmuseum Amsterdam konzipiert von Hajo Schedlich

In der dreizehnten Minute taucht ein Igroßes, backsteinrotes Gebäude auf, von dem man annehmen darf, daß es das Rijksmuseum ist. "Höchste Zeit für mich, nicht mehr um den Kern der Sache herumzureden", sagt der Sprecher mit der Märchenonkelstimme. Jawohl, mein Herr! Denn zwölf Minuten lang hat man zuvor, immer geduldig auf das Rijksmuseum wartend, Ziegelsteine gesehen und Kanäle, Fenster und Boote und dazu einen Heurigen-Text gehört, in dem von "prächtigen, würdevollen und heiligen Grachten" die Rede war, und von dem Licht, "das einen großen Einfluß auf die Mädchenhaut hat".

Nach dreizehn Minuten Fremdenverkehrs-Amsterdam also endlich das Museum, und dann auch ein Bild. Gera hätte man ja gewußt, wer es gemalt hat, aber das würde wohl die Präzision der Information zu weit treiben, und so hören wir von dem "feuchten und rheumatischen Milieu", in dem Hollands Kunst entstand. Eine Mitteilung wie diese oder auch die Feststellung, daß Hollands Kunst mit der Reformation aus der Kirche herausging und irdisch und bürgerlich wurde, hätte durchaus ihren Wert, wenn man sich dann auf die Belege verlassen und ohne Brimborium die Bilder zeigen würde. Aber kein einziges Bild von Saenredam (das Rijksmuseum besitzt seine Hauptwerke) wird gezeigt, und wenn es, Thema Bürgerlichkeit, dann zu Vermeer geht, wird die bürgerliche Kunst per Kommentar auf ein Lore-Roman-Niveau gebracht: "Diese feierliche Stille... diese Heiligkeit des nach Bügeleisen, Seife und Weibtum duftenden Heimes", heißt es zur "Briefleserin". Die "strahlende Reinheit" Vermeers bringt den Autor so richtig in schwülstigen Schwung. Frans Hals ist ein "Fall für Männer", Rembrandt, dieser "schreckliche und tragische Mann", einer der "ersten Romantiker der Welt". Um das zu bekräftigen, tritt der fünfzehnjährige Titus, Rembrandts Sohn, mit einem Monolog über den Vater auf. Womit der Film auch schon zu Ende ist. Und man über das Rijksmuseum und seine Schätze weniger erfahren hat, als in einem Prospekt steht.

Müssen Filme über Kunst eigentlich so sein, immer noch so sein? Kann man Kunst nicht so zeigen, wie sie ist, geduldig, mit sachlichen Anmerkungen, ohne Tricks und Gequassel? Daß die Alternative zum Verschmockten nicht die Langeweile ist, haben Autoren wie Gottfried Seife, Viktoria von Flemming und andere schon oft bewiesen. Und das Publikum, das längst viel sachlicher und anspruchsvoller ist als mancher Kulturkritiker, möchte, wenn es einen Film über das Rijksmuseum avisiert bekommt, genau das schen. Petra Kipphoff