Die Lage in Polen ist restlos verfahren. Nichts zeichnet sich am wintergrauen Horizont ab, das auch nur entfernt Besserung verspräche. Das Regime versucht es zur Zeit mit der Peitsche der Unterdrückung und dem Zuckerbrot schaler Vergünstigungen. Bei Wohlverhalten soll das Kriegsrecht irgendwann aufgehoben und der Papst zu seinem lang aufgeschobenen Besuch im nächsten Juni ins Land gelassen werden.

Beides enthüllt nur die Armseligkeit der Optionen, die dem General Jaruzelski noch geblieben sind. Und doch muß man ihm und den Polen wünschen, daß ihnen der drohende Teufelskreis – Demonstration, Repression, mehr Demonstration, mehr Repression – erspart bleibt. Vielleicht kann eine Periode der Ruhe doch noch in eine Periode des Dialogs münden.

Den Aufstand gegen die längst bloßgestellte Staatsgewalt an jedem der vielen bitteren Gedenktage des polnischen Volkes wieder neu zu wagen, mögen der Zorn und die Selbstachtung der Unterdrückten nahelegen. Aber dieser Weg würde über kurz oder lang von der Hoffnungslosigkeit in die Verzweiflung führen – nicht zu Konzessionen eines zur demokratischen Anpassung unfähigen Systems, sondern nur zu neuen, noch bittereren Gedenktagen für künftige Generationen. -cb-