Augsburg

Georg Hölzle, Leiter des Augsburger Stadtreinigungsamtes, fühlt sich verkannt: "Brotzeitholer – schon das Wort ist eine Beleidigung! Wir haben im Frühjahr beim Personalausschuß lediglich den ordnungsgemäßen Antrag gestellt; einen Kantinenführer zugewiesen zu bekommen."

Wie auch immer die pikante Frage der Bezeichnung zu lösen wäre: Tatsache ist, daß Brotzeitholer zum Erscheinungsbild der bayrischen Arbeitswelt ebenso gehören wie der süße Senf zur Weißwurst. Auch in Augsburg mag niemand bezweifeln, daß sie einen wesentlichen Beitrag zum Klima des humanen Arbeitsplatzes leisten. Üblich allerdings ist, diese Schmankerl-Aufgabe Lehrlingen oder Boten zu übertragen.

Darum zeigten sich die Bürger erstaunt, als der Personalausschuß am 18. Oktober beschloß, beim-Stadtreinigungsamt eine eigene Planstelle dafür einzurichten. Die Einstellung von drei Religionslehrern hingegen hielten die Stadträte in der gleichen Sitzung für überflüssig.

"Die Personalverwaltung war gegen den Kantinenführer", teilt Gerhard Stadler vom zuständigen Referat mit. Auch Kommunalreferent Reinhold Wenninger (er gehört der von der CSU abgespaltenen Stadtratsfraktion an, die sich jetzt Christlich-Soziale Mitte nennt) war überrascht, daß der Antrag – wenn auch knapp – mit sechs zu fünf Stimmen angenommen worden war. Denn die neugeschaffene Planstelle, nach Lohngruppe III eingestuft, wird die Stadt immerhin 34 400 Mark im Jahr kosten.

"Ich weiß wirklich nicht, warum daraus plötzlich ein politisches Kampfthema geworden ist", meint Amtsleiter Hölzle ratlos. Denn einen Kantinenfüher gibt es nach seiner Auskunft im Hauptdepot an der Riedinger Straße 40, neben dem Gelände der MAN, seit 20 Jahren. Bislang sorgte – "ein Notbehelf", so Hölzle – ein ehemaliger Werkstatthelfer für das leibliche Wohl von 200 dort Beschäftigten. Weitere 220 Bedienstete der Behörde erhalten, da sie im Außendienst beschäftigt sind, ein tägliches Zehrgeld von 4,80 Mark.

Als die Pensionierung des bisherigen Saalhüters bevorstand, sollte reiner Tisch im Stellenhaushalt gemacht werden. Der vermuteten Entbehrlichkeit des Angestellten tritt Hölzle mit einer Schilderung von dessen Aufgaben entgegen: "Morgens um neun Uhr geht es mit Semmeln und Kaffee los. Am späten Vormittag gibt’s dann die ersten Halben, und ab 12 Uhr werden warme Mahlzeiten ausgeteilt, die von der Kantine der Stadtwerke am Hohen Weg abgeholt werden müssen." Die Nachfrage allerdings schwankt; meist sind es nicht mehr als 20 Tabletts, die über die Theke gereicht werden, "bei Spinat eher weniger".