Hamburger Verhältnisse in Hessen: Ehe Gespräche zwischen SPD und Grünen zustande kamen, wurden sie abgesagt. Horst Winterstein ist SPD-Fraktionsvorsitzender im Wiesbadener Landtag.

ZEIT: Erst wollte die SPD gar nicht mit den Grünen verhandeln, dann wollte sie es und jetzt doch wieder nicht. Warum?

Winterstein: Die SPD wollte zunächst nicht. Dann haben wir ein Wahlergebnis bekommen, das eben so ist, daß sich keine Koalitionen anbieten. Andererseits sind wir gehalten, aus dem Wählerwillen etwas zu machen, und das war der Grund, weshalb wir gesagt haben, wir müssen versuchen, mit der Union und mit den Grünen zu reden.

Wir haben auch die Absicht gehabt, diese Gespräche auch mit den Grünen sehr ernst zu führen. Nun gab es in der vorigen Woche wieder Krawalle am Frankfurter Flughafen, und die Grünen im hessischen Landtag haben diese Gewalttaten gerechtfertigt. Und dies war für uns der Punkt, nunmehr zu sagen, daß die Grünen auf diese Art und Weise die Basis für Gespräche wegziehen.

Jetzt müssen sich die Grünen entscheiden, wie sie es mit der Gewalt halten. Sie können nicht in einer provokativen Verhöhnungsaktion gegenüber Sozialdemokraten Gewaltakte verherrlichen.

ZEIT: Hat nicht Holger Börner, der die Grünen in die Nähe von Faschisten gerückt hat, die Gespräche belastet?

Winterstein: Nach den Wahlen war das kein Problem mehr. Und auch die Grünen sind von ihrer harten Haltung gegenüber Holger Börner abgerückt. Sie hatten ja gesagt, mit Holger Börner nie, nicht einmal ein Gespräch.