Von Theo Meinz

Die Mitteilung des kuwaitischen Ölministers an den Vorstand der Hoechst AG, daß das Scheichtum eine Beteiligung zwischen 24 und 25 Prozent an dem Grundkapital der Gesellschaft hält, hat Anfang Oktober Schlagzeilen gemacht. Andererseits zwingt die nahezu gleichzeitig erschienene Meldung, daß die Überschüsse der OPEC-Staaten drastisch zurückgegangen sind, zu der Frage, welchen Einfluß die Ölstaaten noch auf die internationalen Finanzmärkte haben.

Nahezu allen ölexportierenden Ländern wurde noch Ende der sechziger Jahre der Status von Entwicklungsländern zugestanden. In Saudi-Arabien betrug das jährliche Pro-Kopf-Einkommen 1970 nur 500 Dollar, knapp ein Fünftel des Durchschnittseinkommens eines Bundesbürgers. Bis 1981 war es auf rund 15 000 Dollar gestiegen und lag damit um ein Viertel höher als in der Bundesrepublik.

Der reichliche Fluß des Petrodollars wurde von den OPEC-Ländern vor allem dazu benutzt, das eigene Land zu entwickeln, Industrie- und Dienstleistungszentren aufzubauen und die notwendige Infrastruktur bereitzustellen. Erst danach konnten sie daran denken, Anlagen an den internationalen Finanzmärkten vorzunehmen oder Beteiligungen in fremden Ländern zu erwerben.

OPEC-Staaten mit einem hohen Bedarf an Finanzmitteln wie Nigeria, Indonesien oder Venezuela benötigen ihre Öleinnahmen vollständig für den Import von Gütern und Dienstleistungen. Die Entwicklungspläne, die bald nach der ersten Ölkrise entworfen wurden, waren so ehrgeizig, daß diese Länder trotz der erhöhten Exporteinnahmen in der Regel auf den Finanzmärkten als Nachfrager nach Kapital auftraten. Staaten mit geringer Bevölkerung – neben Saudi-Arabien nur noch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oatar – haben dagegen so hohe Einkünfte aus ihren ^Ölausfuhren, daß sie zur Investition im Ausland nahez gezwungen sind. Nur diese Länder können durch ihr Anlageverhalten Einfluß auf die internationalen Finanzmärkte nehmen. Sie hielten zusammen mit Libyen und dem Irak zum Jahresende 1981 rund neunzig Prozent aller Nettoguthaben der ölexportierenden Länder an den Euromärkten.

Seit etwa einem Jahr ist aber kaum noch von spektakulären Finanzanlagen, sondern eher von ausbleibenden Geldern die Rede. Die riesigen Überschüsse in der Leistungsbilanz der OPEC-Länder – 1980 waren es 120 Milliarden und 1981 rund 60 Milliarden Dollar – dürften schon in diesem Jahr vollständig verschwunden sein. Die Gründe dafür: der rückläufige Ölverbrauch in den Industrieländern, sinkende Ölpreise, erhöhte Ölförderung Ländern wie Großbritannien, Norwegen und Mexiko, die nicht der OPEC angehören sowie die Auswirkungen des Golfkrieges.

Diese Null ergibt sich allerdings nur, wenn Überschüsse und Defizite gegeneinander aufgerechnet werden. Sie kann daher den Einfluß der OPEC-Staaten auf die internationalen Finanzmärkte nicht ausreichend beschreiben. Nach den Schätzungen der OECD werden die Überschußländer auch 1982 trotz kräftig steigender Importe Leistungsbilanzüberschüsse von etwa 20 Milliarden Dollar (1980 waren es 80 Milliarden) haben. Defizite in gleicher Größenordnung treten, wie schon 1981, bei den stark bevölkerten OPEC-Staaten auf, obwohl diese sich spürbarer um eine: Einschränkung der Importe bemühen. Länder, wie Nigeria und Algerien müssen ihre Entwicklungspläne erheblich strecken, weil ihnen die Kreditaufnahme zur Finanzierung der Leistungsbilanz erkennbar erschwert ist. Ein nicht geringer Teil der OPEC-Staaten ist gegenwärtig auf die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe angewiesen.