Von Gerd Bucerius

Daß Begin Beirut nicht gestürmt hat, verdanken wir Präsident Reagan. Rasend hatte Reagan den Israelis zugerufen: "Sie bereiten einen Holocaust vor."

Da sind freilich Bedenken anzumelden. Der Holocaust war nämlich der millionenfache, bestialische, unprovozierte Mord an Männern, Frauen, Greisen und Kindern. Er war der Versuch, ein ganzes Volk auszurotten. Er war ein Jahrtausendverbrechen.

Zur rechten Zeit erscheint da, bearbeitet von einem deutschen Journalisten, dem wohl besten Sachkenner der jüdischen Tragödie:

Jochen von Lang: "Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre", Nachwort von Avner W. Less; Verlag Severin und Siedler, Berlin 1982; 276 S., DM 19,80.

Während des Krieges, als er die Ermordung von sechs Millionen Juden organisierte, war Eichmann den Deutschen unbekannt geblieben. In den Kriegsverbrecher-Prozessen kam sein Name am Rande vor. Wer immer wegen Beteiligung an jenen fürchterlichen Verbrechen angeklagt war, schob die Schuld auf Eichmann – der war ja wohl tot. Aber er hatte fliehen können. Kurz vor dem Zusammenbruch hatte die SS gefälschte Papiere und Personalausweise ausgegeben; sie verstand sich aufs Handwerk. Eichmann erwischte einen, der es ihm erlaubte, als Waldarbeiter in Süddeutschland und Österreich unterzutauchen. 1950 schlug er sich nach Argentinien durch. Unter falschem Namen ließ er Frau und Kinder bald nachkommen. 1960 erwischte ihn der israelische Geheimdienst, riß ihn auf offener Straße in ein Auto. Als er von der Betäubungsspritze erwachte, hatte er schon kapituliert: "Ich bin Adolf Eichmann – und Sie sind Israelis." Als Frachtgut in einer Kiste schaffte man ihn per Flugzeug nach Israel. Dem Völkerrecht entspricht das nicht – aber wer wollte im Ernst danach fragen? Mitternacht, am 31. Mai 1962, starb Eichmann am Galgen; zwanzig Jahre nach seinen Taten.

Im Prozeß und während der Urteilsvollstreckung war Eichmann zurückhaltend, auf Korrektheit bedacht. Er hat es seinen Richtern und dem Henker leicht gemacht. Noch unter dem Galgen wollte er beweisen, er sei ein harmloser kleiner Mann und habe nur unter Eid und Befehl gehandelt. Er hatte sich Hitlers Befehlen gefügt; nun unterwarf er sich den Israelis.