Bundeskanzler Helmut Kohl wird sich bei seinem Besuch in Washington um eine Versachlichung der Debatte über den Ost-West-Handel bemühen müssen. Er kann sich auf folgende Fakten stützen:

1. Im Ost-West-Handel erreichten die Einfuhren und die Ausfuhren 1981 zusammen einen Wert von schätzungsweise 100 Milliarden Dollar. Vom gesamten Osthandel der OECD-Länder entfiel ein gutes Fünftel auf die Bundesrepublik Deutschland (früher etwa ein Viertel).

2. Die deutschen Einfuhren aus Osteuropa (17,4 Milliarden Mark) entsprachen 4,7 Prozent der gesamten deutschen Einfuhren, bei den deutschen Ausfuhren (17,1 Milliarden Mark) hatte Osteuropa einen Anteil von nur 4,3 Prozent. 1975 betrug dieser Anteil bei den Exporten noch 7,2 Prozent. Anders gesagt: Der gesamte deutsche Export nach Osteuropa erreichte nicht den Wert der deutschen Lieferungen in die Schweiz oder nach Österreich.

3. Der deutsche Osthandel sollte in der aktuellen politischen Diskussion nicht überschätzt, aber auch nicht verniedlicht werden. Zwei Stichworte tauchen immer wieder auf: Abhängigkeiten und Beschäftigungseffekte des Ostexports. Zum Stichwort Abhängigkeit: Es werden keine kritischen Größenordnungen erreicht. Zur Beschäftigungswirkung der deutschen Ostausfuhren: Nach dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung waren 1979 220 000 Erwerbstätige im Ostexport beschäftigt – 0,9 Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten.