Tödliche Zangenbewegung: Malaria-Erreger werden gegen Medikamente, Anopheles-Mücken gegen Insektengifte resistent

Von Reiner Klingholz

Unter lautem Getöse wird der Punkt am tiefblauen Tropenhimmel größer. Die einmotorige Maschine setzt zum Tiefflug über dem sumpfigen Urwald von Honduras an. Dem Heck entweichen gelbe Nebelschwaden und sinken schwerfällig zu Boden: chemische Insektizide.

Sie sollen den Moskitos den Garaus machen, die unten im Morast brüten. Als der Pilot spätnachmittags seinem Dröhnvogel entsteigt, sich den Schweiß von der Stirn wischt und den Staub aus dem Hemd klopft, weiß er, was er getan hat. Was er angerichtet hat, weiß er nicht: Das kann ihm eigentlich keiner so genau sagen.

Denn ob er seinen eigentlichen Auftrag erfüllt und die Plagegeister mit der chemischen Keule erschlägt, erscheint mehr und mehr fraglich. Gewiß ist nur eine gewaltige Umweltbelastung, wenn der gelbe Nebel tonnenweise herunterregnet – das Flugzeug versprüht schließlich keinen Kamillentee.

Mit Moskitos ist allerdings auch nicht zu spaßen. Als Überträger von Infektionskrankheiten wie Malaria oder Gelbfieber haben sie wohl mehr Menschenleben auf dem Gewissen als alle Kriege der Geschichte zusammen.

Bis in die vierziger Jahre gab es in den tropischen Regionen kaum einen Schutz gegen Malaria. Alle zehn Sekunden mußte ein Mensch an ihren Folgen sterben, drei Millionen Opfer raffte die Seuche Jahr für Jahr dahin. Mit einem geballten Einsatz von Chemikalien konnte die Malaria in vielen Ländern vorübergehend zurückgedrängt werden. Nun jedoch breitet sie sich wieder beängstigend schnell aus. "Es besteht die Gefahr"‚ warnte kürzlich ein thailändischer Tropenmediziner im amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek, daß die Seuche in seinem Heimatland "außer Kontrolle gerät."