Andrej Sacharow wurde wiederholträuberisch überfallen. Einige Male in Moskau, dann in Gorki hat man aus seiner streng überwachten Wohnung, als er ausging, seine Notiz- und Tagebücher, Manuskripte seiner wissenschaftlichen Arbeiten und persönliche Briefe einfach gestohlen. Seitdem hatte er alles in einer Tasche parat, und er nahm sie stets mit.

Im Frühjahr 1981, als er in einer Klinik ärztlich untersucht wurde, verschwand diese Tasche aus dem Nebenzimmer. Dieses Mal, vor wenigen Tagen, als er in einem Wagen saß und der Fahrer gerade ausgestiegen war, wurde Sacharow von einem Unbekannten angesprochen, verlor das Bewußtsein – und wieder verschwand die Tasche mit Manuskripten, mit wissenschaftlichen und persönlichen Aufzeichnungen.

Deshalb schrieb er einen offenen Brief an den Chef des Komitees für Staatssicherheit. Dieser Brief gelangte nach dem Westen. Daraufhin wurde Andrej Sacharow zum Staatsanwalt von Gorki vorgeladen, der ihm erklärte, daß er sich eines schweren Vergehens schuldig mache, denn er dürfe nicht öffentlich auftreten und nichts publizieren, weil es ihm durch den Ukas des Obersten Sowjets verboten sei – durch denselben Ukas, der ihn vor bald drei Jahren nach Gorki verbannt hatte.

Doch der Text dieses Erlasses wurde weder Sacharow noch seinen Angehörigen jemals bekanntgemacht. Auch dieses Mal vom Staatsanwalt nicht. Seine Verbannung, die eigentlich ein Hausarrest in Gorki ist, sowie dieser Erlaß widersprechen dem Grundgesetz und allen Gesetzbüchern der Sowjetunion, nicht zu reden von den Vereinbarungen über Menschenrechte, die auch von der Sowjetregierung unterzeichnet wurden.

Dieses neue brutale Vergehen bedeutet eine tödliche Gefahr für Andrej Sacharow. Er ist schwer herzkrank. Heute kann ihm nur der Einsatz der Weltöffentlichkeit, der Wissenschaftler und der Politiker und aller Menschen guten Willens helfen. Sacharow braucht die Hilfe der Welt, aber auch die Welt braucht Sacharow. Hilfe tut not.