Altbundeskanzler Helmut Schmidt, den es sehr verdrossen hatte, daß die deutschen Aktienmärkte seinen Abschied von der Bonner Regierungsbank mit einer freundlichen Tendenz begleiteten, kann wieder zufrieden sein. Gegenwärtig werden die Börsen von einem um sich greifenden Anlageattentismus beherrscht, den die Westdeutsche Landesbank mit dem sich ständig verdüsternden fundamentalen Hintergrund begründet. Außerdem mit Zweifeln, ob am 6. März 1983 bei Bundestagsneuwahlen eine regierungsfähige Mehrheit zustande kommt.

Das Vertrauen des internationalen Anlagekapitals gilt zur Zeit den USA, unschwer abzulesen am festen Dollar-Kurs. Wenn Ausländer deutsche Aktien kaufen, beschränken sie sich auf wenige Qualitätspapiere, aus deren Kreis die Mannesmann-Aktien nunmehr ausgeschieden sein dürften. Mannesmann, so heißt es, habe den Ertragszenit überschritten und wird im kommenden Jahr die weltweite Überkapazität bei Großrohren voll zu spüren bekommen.

Angesichts des trostlosen Bildes, das die Aktienmärkte zur Zeit bieten, war der reibungslose Handel der Bezugsrechte für die jungen Aktien der Deutschen Bank eine Überraschung. Unter diesen Umständen ist zu bezweifeln, daß die Rechnung jener aufgehen wird, die ihre "alten" Aktien in der Hoffnung verkauft haben, sie über Bezugsrechte billig zurückkaufen zu können. Lichtblicke gab es auch bei den Brauereiaktien. Obwohl auch die Brauereien die eingeschränkte Konsumfähigkeit zu spüren bekommen müßten, hat sich die Ertragssituation bei vielen Gesellschaften verbessert – dank einer vorangegangenen Kapazitätsbereinigung, der zahlreiche Braustätten zum Opfer gefallen sind. Damit ist das Brauereisterben jedoch noch nicht beendet. K. W.