Von Wilfried Kratz

Zweimal fordern Tafeln auf dem 300 Meter langen, leicht ansteigenden Weg in den Schiefersteinbruch zum Verschnaufen auf. Der Besucher soll entspannt ankommen im Centre for Alternative Technology, vier Kilometer außerhalb vor Machynlleth an der Küste von Mittelwales. Die etwa zwanzig Bewohner wollen hier zeigen, "wie wir im Gleichgewicht mit den natürlichen Systemen und Ressourcen leben können, von denen unser aller Existenz abhängt".

Das Zentrum hat in erster Linie einen pädagogischen Zweck. Die Ansiedlung, die im Jahr bis zu 50 000 Besucher verzeichnet, ist aber auch die Lebensgrundlage ihrer Bewohner, die Geräte und Methoden nicht nur demonstrieren und ausprobieren, sondern auch davon abhängig sind. Das Zentrum ist nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen. Es erzeugt seinen eigenen Strom.

Es ist in hohem Maße Selbstversorger mit Nahrungsmitteln.

Der Blick des Besuchers fällt zunächst auf die großen Hohlspiegel, welche Sonnenstrahlen auf ein Rohr bündeln, in dem heißes Öl die Wärme speichert. Der Apparat ist freilich wenig geeignet für das sonnenarme und regnerische Wales. Dennoch ist der Steinbruch übersät mit anderen Geräten zur Nutzung der Sonnenenergie. Einige stehen im Freigelände und produzieren heißes Wasser für ein kleines Waschbecken, an dem sich die ungläubigen Besucher trotz Warnung gern die Finger verbrühen. Andere sind in die Dächer der Häuser eingebaut. Das stark wärmeisolierte Ausstellungsgebäude hat ein hundert Quadratmeter großes Sohernach. Das im Sommer gewonnene heiße Wasser wird unter der Erde gespeichert und an kälteren Tagen durch eine Fußbodenheizung gepumpt.

Eine alte Schmiede hat man wieder in Gang gesetzt. Hier können auch Kurse abgehalten werden. Im Augenblick bereitet der Schmied Formen für den Eisenguß vor und hämmert fertige Stücke. Er arbeitet an einem Exportauftrag, eine Windmühle für Tristan da Cunha, die britische Insel, Tausende von Kilometern entfernt im Südatlantik. Ganz entgegen der Philosophie des Zentrums hat der Schmied keine Zeit für längere Erklärungen. Er verweist auf die Erläuterung im Führer.

Solch kleine Handwerksbetriebe, so heißt es da, sorgen dafür, daß Geld und Arbeit in der Gegend bleiben. Sie dezentralisieren die Produktion, sie verlängern das Leben von schadhaften Geräten, die sonst auf dem Müll landen würden. Sie mindern die Belastung der Umwelt. Sie bringen Freude an der Arbeit zurück, weil man ein ganzes Produkt entstehen sieht.