Opa wie spielt man Frieden?" fragten Kinder den sowjetischen Erzähler S. J. Marsak, als er sie Krieg spielen sah und bat, doch lieber Frieden zu spielen. Mit dieser Anekdote kennzeichnete Gundula Bahro zu Beginn des Seminars "Konfliktbewältigung und Friedenserziehung durch Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland und Skandinavien" in der Akademie Sankelmark die Problematik der Friedenserziehung, wie sie von Harm Prior wissenschaftlich aufgearbeitet wurde.

Welche Bücher finden Kinder und Jugendliche vor, wenn sie Ernst machen wollen mit der Forderung von PEN-Club, VS, Friedensinitiativen und Elternorganisationen, wenn sie durch Literatur Frieden üben wollen?

In Schweden herrscht seit 1815 Frieden. Doch Elsa Martinell aus Stockholm stellte nicht nur historische Romane vor, die sich mit Krieg und Frieden beschäftigen. Die skandinavische Literatur reagiert sensibel auf den alltäglichen Unfrieden. Soziale Konflikte, Auseinandersetzungen in der Familie, in der Schule, in heterogenen Gesellschaften kennzeichnen auch einen großen Teil der von Eva Glistrup aus Stockholm mitgebrachten dänischen Bücher. Die problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur der Bundesrepublik wird seit vielen Jahren von diesen skandinavischen Vorbildern, beeinflußt.

Funktioniert der Brückenschlag von der literarischen Konfliktbewältigung des täglichen Unfriedens zur Einsicht in die Mechanismen der Friedensbedrohung Krieg? – In beiden deutschen Staaten sind bisher verschwindend wenig Kinder- und Jugendbücher geschrieben worden, die sich mit der politischen Dimension des Friedens und seiner Bedrohung auseinandersetzen, wie Gundula Bahro für die DDR, Malte Dahrendorf für die Bundesrepublik und Jens Thiele in bezug auf Bilderbuch-Illustrationen feststellten. Der "Ernstfall" ist hier immer noch und immer wieder der Zweite Weltkrieg – für die jungen Leser von heute längst "Opas Krieg".

Es gilt also auch, vorhandene Literatur auf ihre Tauglichkeit zur Friedenserziehung zu untersuchen. "Niemals Gewalt" lautete der Appell Astrid Lindgrens bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978. Es ist auch der Titel einer Empfehlungsliste, die der Arbeitskreis für Jugendliteratur mit der finanziellen Unterstützung des Deutschen Literaturfonds herausgebracht hat. 150 Bücher zur Friedenserziehung für jedes Lebensalter und für Literaturvermittler wurden ausgewählt. Nach drei Wochen waren 150 000 Exemplare der ersten Auflage vergriffen. Die zweite Auflage ist im Druck. Sie kann gratis bestellt werden beim

Arbeitskreis für Jugendliteratur

Postfach 43 03 40