Wer im Glashaus sitzt... Ich weiß. Und dennoch: Das Deutsch mancher deutscher Zeitungen müßte ins Chinesische und dann zurück übersetzt werden. Was da zum Beispiel im Handelsblatt zu lesen stand, der Spiegel reproduzierte es ganz arglos und ohne Häme, muß als abschreckendes Beispiel noch einmal gedruckt werden.

Erster Satz: "Was Verheugen da im SPIEGEL von den Chancen einer neuen Partei fabuliert, die für die bisherigen Wähler der FDP, der SPD, der Grünen und für Frauen ausreichend attraktiv genug sein könnte, muß niemand erschrecken.

Niemanden, der diesen Text liest, wird es wundern, daß sein Hervorbringer "niemand’" nicht deklinieren kann. Jemandem, den man nicht mag, steht kein Titel mehr zu und kein Vorname. Er sagt nichts, er erklärt nichts, er "fabuliert". Warum aber sollte das Erzählen von Fabeln, das Fabulieren also, jemanden erschrecken? Ich erschrecke über "ausreichend attraktiv genug" und über die sonderbare Mischung von Deutschen, Franzosen, Amerikanern und Fußgängern. Der Kopf, in dem das zusammengedacht wurde, muß vollkommen vernebelt genug sein.

Zweiter Satz: "Hier ist offensichtlich ein Wunschtraum der Vater einer Illusion." Die Mutter ist dann wahrscheinlich eine Einbildung. So bleibt alles schön in der Familie. Aber was, um Himmels willen, ist daran "offensichtlich"?

Dritter Satz: "Keiner weiß doch besser als Verheugen, daß die Mehrzahl derjenigen Linksaußen der Partei, die eigentlich ihre politische Heimat – und das allein ist wahrlich nicht unehrenhaft – eigentlich noch jenseits der Mitte in der SPD haben müßten, nicht an einen Auszug aus der FDP denkt."

Um sich für diese am Ende zu nichts führende Wortakrobatik so richtig einzustimmen, sollte man zunächst versuchen, sich mit dem großen Zeh des linken Fußes hinter dem rechten Ohr zu kratzen. "Keiner weiß doch besser als X" ist immer Quatsch. In Deutschland noch mehr als anderswo: hier wissen immer viele alles besser. Reden wir nicht von den vielen Linksaußen, die den HSV-Trainer zur Verzweiflung bringen könnten. Reden wir davon, daß "eigentlich ihre politische Heimat" wirklich nicht unehrenhaft ist, weder allein noch zu zweit, noch nicht einmal dann, wenn dem "eigentlich" ein weiteres "eigentlich" folgt, Es kann sein, daß die Mehrzahl haben müßte und nicht denkt; auch haben müßten und nicht denken wäre möglich; aber "haben müßten" und "nicht denkt" – das geht eben nicht. Mit Ehre hat das nichts zu tun. Es handelt sich nur um die Unfähigkeit, deutsch zu schreiben.

Vierter Satz: "Denn diese Parteifreunde wissen ganz genau, daß sie nach kurzer Zeit in der SPD keine Chance hätten, eine nennenswerte Rolle zu spielen."