Drei Bücher, denen eines gemeinsam ist: sie stammen von Autoren, die ganz subjektiv, einseitig und eindringlich, ihr Leben schildern:

Alexander Markus Homes: "Prügel vom Heben Gott – Eine Heimbiographie"; päd.extra Buchverlag, Bensheim, 1981; 80 S., 9,80 DM.

Rainer Seibt: "Ich möchte in eurer Liebe baden – Eine Knast- und Heroin-Biographie"; päd.extra Buchverlag, 1982; 176 S., 19,80 DM.

Jürgen Knop: "Sie werden uns doch bemerken müssen – Geschichten aus einem behinderten Leben"; SOAK-Verlag, Hannover, 1981; 150 S., 14,80 DM.

Alexander Markus Homes kam – so schildert er sein Leben – zweijährig von zu Hause weg, weil er viele Prügel bekam. Das Jugendamt brachte ihn ins Heim, wo er jedoch wiederum Prügel bekam. Doch die bezog er nun von Nonnen (was ihn zu dem "Bild"-Zeitungstitel "Prügel vom lieben Gott" verleitete). Homes Berichte über prügelnde Nonnen brachten ihn vor Gericht. Homes mußte seinen Vorspann ändern. Die neue Auflage (5000 Exemplare) enthält den ausdrücklichen Hinweis, daß "die in dem Buch geschilderten konkreten Ereignisse, Personen und Zustände" nicht "Dokumentation sind, sondern literarisch bearbeitet und verfremdet".

Mit seinem Buch schlägt nun der Geprügelte zurück: "Wir stecken voller Haß. Wir wissen, daß es Freiheitsberaubung war, nicht Fürsorge." Sein Stil ist schmucklos, zupackend, mit dem heißen Atem eines Menschen, der mit dem Erlittenen keinen Frieden gemacht hat. Da rechnet einer ab, den man zuerst als Außenseiter definiert und dann dazu erzogen hat. Die Reaktion blieb nicht aus: Inzwischen hat das im Buch nicht erwähnte St. Vincenzstift (Rüdesheim-Aulhausen) den Vertrieb der Heimbiographie per einstweiliger Verfügung verbieten lassen.

Noch einseitiger, ganz im Insider-Deutsch, die Knast- und Heroinbiographie Rainer Seibts: rein ins Heim, ausgerissen, Autos geknackt, Jugendknast, Drogenszene, Knast und schließlich Psychiatrie. Das alles nicht einlinig, sondern durchsetzt mit Hoffnungen, Versuchen, Wiederholungen. Der Autor realistisch über seinen Stil: "Ich ließ alles raus, was in mir fraß, ich kotzte es aufs Blatt Papier und fühlte mich hinterher befreiter." Dies wird manchen abschrecken, anekeln. Wer jedoch erfahren will, wie Ausgestoßene empfinden und reagieren – er kann es aus diesem Buch lernen.