Von Christian Graf von Krockow

Attentate verbreiten Entsetzen, und genau darum faszinieren sie. Also dürfte dem neuesten Buch zum Thema Aufmerksamkeit sicher sein:

Wolfgang Plat: "Attentate. Eine Sozialgeschichte des politischen Mordes"; Econ-Verlag, Düsseldorf 1982; 356 S., 38,– DM.

Die Enttäuschung lüsterner Leser dürfte freilich auf dem Fuße folgen; in den zwölf Geschichten aus fünf Jahrhunderten spielen Gift, Dolch und Dynamit kaum eine Rolle.

Dies entspricht der Auffassung des Autors von der Bedeutung politischer Morde. Sie ändern nichts; sie beruhen auf einer fixen Idee, auf dem Wahn, den die Attentäter mit ihren hochgestellten Opfern teilen: daß Männer die Geschichte machen. Folgerichtig genug "können wir immer wieder bemerken, welches fassungslose Staunen, welche Verzweiflung sich des Attentäters bemächtigt, wenn er begreift, daß die von ihm – meist unter bewußtem Einsatz des eigenen Lebens – erhoffte Wirkung keineswegs eintritt... So ist das Attentat, der gewaltsame Versuch, eine geschichtliche Persönlichkeit aus dem Strom der Geschichte zu entfernen, in Wirklichkeit ein historisch bedingter Irrtum des Täters über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte".

Das läßt sich hören. Doch was bleibt dann? Jeweils ein Panorama der geschichtlich-gesellschaftlichen Umstände, in denen das Attentat stattfindet. Dazu bedürfte es freilich fast eines Super-Historikers. Denn wer könnte schon, gleichzeitig und mit gleichbleibender Souveränität, die Verhältnisse Italiens und der Kirche zur Zeit der Renaissance-Päpste, Englands an der Wende zum 17.,