Annehmbar

"Das zweite Gesicht" von Dominik Graf ist ein optisch reizvoller Psycho-Thriller, der Haunted-House-Horrorvisionen gekonnt mit kühl stilisierter New-Wave-Sachlichkeit verbindet. Erotische Obsessionen lerin noch nach hundert Jahren zum Verhängnis, düstere Gesichte, die sie quälen, erinnern an einen Selbstmord, den ein junges Mädchen damals aus Liebeskummer beging. Zwar präsentiert Graf statt bleicher Schrecken des Unterbewußtseins schließlich genußvoll blutiges Grauen, doch beeindrucken makellose Bildkomposition und effektvolle Farbdramaturgie. Die beiden jungen Schauspieler Greta Scacchi und Thomas Schücke als ihr Freund, der durch seine Unfähigkeit zu lieben (wiederum?) die Katastrophe heraufbeschwört, bewältigen die Parforce-Tour zwischen alltäglicher Beziehungsproblematik und Kampf gegen geheimnisvolle Psycho-Kräfte mit sensibler Unterkühltheit. Der Regisseur und Drehbuchautor Graf, der für seine Abschlußarbeit "Der kostbare Gast" an der Münchener Filmhochschule den Bayerischen Filmpreis bekam, ist zwar bisweilen ein bißchen sehr verliebt in seine preziösen Bilder. Aber trotz mancher Längen ist nicht zu übersehen, daß der Regisseur nicht nur Interesse, sondern auch Talent für das Kino des Schreckens hat, was beides hierzulande selten ist.

Lina Schneider

"Menuett" von Lili Rademakers. Mehr als zwei Jahrzehnte Filmarbeit liegen bereits hinter ihr. Sie besuchte Filmakademien in Paris und Rom, assistierte 1960 bei Federico Fellinis "La dolce vita" und arbeitete immer wieder mit ihrem Mann, dem niederländischen Filmemacher Fons Rademakers. Aber erst mit 50 Jahren drehte Lili Rademakers ihren ersten Film. Nach der Novelle "Menuett" des belgischen Schriftstellers Louis Paul Boon läßt sie eine bedrückende Kleinstadtatmosphäre entstehen, zeigt Szenen einer Ehe, die längst keine mehr ist, vermutlich nie eine war. "Menuett" ist kein leicht zugänglicher Film. In der Erinnerung bleibt die stumme Verschlossenheit des Mannes, die verborgene Kraft der Frau, bleiben die wissenden Augen eines vierzehnjährigen Mädchens, das im Haushalt des Ehepaares arbeitet und auf den Mann eine erotische Anziehung hat. In diesen Tanz à trois, bei dem zuweilen der Schwager der Frau als brutal-egoistischer Verführer mittanzt, schneidet Lili Rademakers Bilder, die durch ihre Schonungslosigkeit verstören: Da versuchen Männer während einer wilden Orgie einer Frau den Mund zuzuzementieren; ein Baby wird in einem Karton verbrannt ... Mit diesen Bildern verläßt Lili Rademakers die realistische Ebene, entwirft symbolhaft-surrealistische Visionen von Gewalt und Angst und Schrecken.

Anne Frederiksen

Mittelmäßig

"Star Trek II – Der Zorn des Khan" von Nicholas Meyer, etwas kurzweiliger als der aufwendige erste Kinofilm nach der erfolgreichen Fernsehserie, präsentiert den Trekkies nochmals die Original-Besatzung (und -Besetzung) des Raumschiffe "Enterprise" auf der Leinwand: Captain Kirk, mittlerweile zum Admiral avanciert (William Shatner), Spöck mit den Spitzohren (Leonard Nimoy), "Pille" McCoy (DeForest Kelley), Chekov, Scotty, Suhl, Uhura und die anderen. Wieder rennen die Darsteller Plastik-Korridore entlang und starren besorgt auf TV-Monitore in der immer gleichen alten Geschichte vom bedrohten Universum, deren mäßige Tricktechnik garniert ist mit kernigen Pfadfinder-Sprüchen über Demokratie, Ehre und den Konflikt zwischen Logik und Gefühl und einer Portion von krypto-christlichem Fundamentalismus (Eden-Mythos,