Daß die Universität Freiburg einen neuen Rektor sucht, wäre eine langweilige Meldung, gestünde nicht das Universitätsgesetz des Landes Baden-Württemberg dem Rektor eine mächtige Position zu, litte nicht die Universität an den Zeitmängeln jedes großen Unternehmens und an mehr, und: wäre nicht der derzeitige Rektor Bernhard Stoeckle, amtierend seit 1977, eine interessante, nicht ganz leicht einzuordnende Figur. Stoeckle, dessen Vorgänger Helmut Engler inzwischen Kultusminister ist, hatte gleich bei seiner Antrittsrede die Landesregierung. scharf hergenommen, die Verschulung der Universität, ein schlechtes Hochschulgesetz und manches, andere bemängelt. Da waren im braven Land doch viele überrascht.

Inzwischen hat sich der unkonventionelle katholische Theologe, der auch mal mit einem Kaugummi hinterm Ohr auf Veranstaltungen herumläuft, zu einem Zeitproblem-Generalisten gemausert. Da seine Hauptforschungsgebiete unter anderem "die eigentümlichen Merkmale christlicher Ethik, die sittlichen Perspektiven der Umweltprobleme" sind, darf er das ja auch. Hausbesetzungen, Demonstrationen und Straßenschlachten, die Entfremdung der Generationen, das sind seine Themen. Die Studenten sind mit diesem Rektor trotzdem unzufrieden. Nicht nur, weil er die farbentragenden katholischen Verbindungen so ins Herz geschlossen hat, oder weil die Uni ihre Räume nicht mehr für abendliche öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung, stellt, sondern weil die Arbeit der beiden AStAs, des erlaubten und des inoffiziellen, auch von Stoeckle erschwert wird.

Zufrieden scheint dagegen Papst Johannes Paul II. mit Rektor Stoeckle zu sein: Beinahe hätte er ihn zum Erzbischof von München und Freising gemacht.

Für das Rektorenamt, das am 1. Oktober 1983 neu besetzt sein muß, gibt es noch keine offiziellen Bewerber. Von der Handvoll Kandidaten, die "genannt werden", sind der Jurist Ernst-Wolfang Böckenförde und der Politologe Dieter: Oberndörfer die bekanntesten. Im immer härteren Kampf der Universität Freiburg gegen die Landesregierung, gegen die Stuttgarter Austrocknungs- und Sparpolitik, gegen die Streichung von Stellen und andere Zumutungen für die besonders bedrängte Universität hat aber nur einer fünfjährige Erfahrung und auch eine gewisse Unerschrockenheit vorzuweisen: der Theologe Bernhard Stoeckle. Manche hoffen, manche fürchten, daß er bei den Wahlen im Februar für eine dritte Amtszeit kandidiert

Der Hamburger Wissenschaftssenator Hans-Jörg Sinn hat die Bundestagsabgeordneten aus der Hansestadt brieflich, vor den Folgen der Umstellung des Studenten-Bafög auf Darlehen gewarnt Er verweist auf einen Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Juni dieses Jahres, wonach im öffentlichen Bildungswesen 1980 für jeden Studenten real fast die Hälfte weniger ausgegeben worden ist als zehn Jahre zuvor: In Preisen von 1970 fielen die Pro-Kopf-Aufwendungen von 13 400 Mark 1970 auf 7800 Mark 1980. Demgegenüber lagen 1980 die Aufwendungen der privaten Wirtschaft für einen Auszubildenden mit rund 15 800 Mark real um fast zwei Drittel höher als 1971/72, "Die Entscheidung der Bundesregierung erweckt den unzutreffenden Eindruck, daß die (betriebliche) Ausbildung nützliche Arbeit, das Studium aber allenfalls partiell gesellschaftlich nützliches Privatvergnügen sei."

Sinn vermutet, daß die Bafög-Änderungen viele Studenten vom Studium weg in die betriebliche Ausbildung locken und damit volkswirtschaftlich nur kostensteigernd wirken können. Veröffentlichungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft sollte die frühere IDW-Abteilungsleiterin Dorothee Wilms auch dann zur Kenntnis nehmen, wenn sie nicht ins politische Konzept passen. Peter Pedell