Giorgio Manina, Chef des zur Fiat-Gruppe gehörenden Lastwagenkonzerns Iveco, hat dazugelernt: Im Sommer hatte er bei der Ulmer Iveco-Tochter Magirus-Deutz für helle Aufregung gesorgt, weil er in einem Zeitungsinterview "drastische Maßnahmen" für die deutsche Gesellschaft angekündigt hatte – inzwischen weiß der italienische Manager offenbar, daß so etwas besser vorher mit Vorstand und Betriebsrat in Deutschland besprochen werden sollte.

Von "Drastischem" ist deshalb in einer Pressemitteilung nach der Magirus-Aufsichtsratssitzung am Freitag voriger Woche nicht mehr die Rede. Vielmehr wird versichert, daß "schwere Straßenfahrzeuge bei einem bestimmten Volumen für den deutschen und andere europäische Märkte zukünftig in Ulm produziert werden sollen".

Eine Beschäftigungsgarantie für die knapp zehntausend Magirus-Mitarbeiter ist das aber nicht, denn "zu einer schnellen Anpassung der Kapazitäten" bleibt der Lastwagenbauer weiterhin gezwungen. Zweitausend Arbeitsplätze, so glaubt man in Ulm, wollen die Italiener in Deutschland noch streichen. Nur soll das diesmal erst publiziert werden, wenn Magirus-Chef Bernd Kosegarten mit dem Betriebsrat die Einzelheiten der Reduzierung besprochen hat. Und darüber wird seit Beginn dieser Woche in Ulm hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Horst K. Jannott, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, sorgt sich um die Entwicklung seiner elitären Branche: Weltweit, so klagte er, stecke sie in versicherungstechnischen Verlusten und habe es schwer, aus ihnen wieder herauszukommen. Die Münchener Rück hat 1981/82 schon im dritten Jahr ein Minus in der technischen Rechnung, und gegenüber dem Vorjahr hat sich der Verlust von 116 auf 249 Millionen Mark mehr als verdoppelt.

Da die Vermögenserträge der über neun Milliarden Mark Kapitalanlagen üppig sprudeln und die Verluste ausgleichen, stimmt die betriebswirtschaftliche Rechnung zwar nach wie vor, und die Dividende von 18 Prozent ist nicht im geringsten gefährdet. Dennoch ist es für Jannott "beinahe deprimierend", daß es so lange dauert, bis die Verlustquellen im deutschen Versicherungsgeschäft – vor allem in der Sparte Industriefeuer – gestraft werden.

Zwar müßten sich vor allem die Erstversicherer bemühen, hier wieder zu auskömmlichen Prämien zu gelangen. Aber auch Jannotts Gesellschaft will durch eine stärkere Selektion ihrer Risiken dazu beitragen. Jannott: "Wir haben das Problem erkannt und gehen es unabhängig von dem an, was die anderen machen. Denn wir wollen nicht einer der Lemminge sein."

Lange blieb das brisante Papier unter Verschluß. Schon im Frühjahr hatte der Bochumer Professor Paul Klemmer im Auftrag des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR) ein Gutachten zum Thema "Die Auswirkungen der Stahlpolitik auf die Wirtschaftsstruktur des Ruhrgebiets" abgeliefert, aber erst in diesen Tagen ist es auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der Grund für die Verzögerung: Klemmers Werk enthält eine vernichtende Aussage über die Zukunft der Stahlindustrie im Osten des Reviers.