Von Horst Bieber

eide Autoren kennen sich seit mehreren Jahren, haben längere Zeit zusammengearbeitet und sich dann getrennt, weil sie unterschiedliche Wege einschlugen. Beide waren und sind sie politisch engagiert, unzufrieden mit ihren alten Parteien, die sie verließen, um eine neue Partei aufzubauen. Der ältere, Jahrgang 1921, kam von der CDU; der jüngere, Jahrgang 1945, hatte bei der SPD begonnen; konservativ ist der ältere, progressiv der jüngere. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre fanden sie sich dann bei den Grünen: Herbert Gruhl und Wolf-Dieter Hasenclever.

Daß beide fast zur selben Zeit Bücher veröffentlichten, ist ein Zufall. Aber er ist hilfreich, weil beide die Grenzpunkte des ökologischen Denkens markiert haben:

Herbert Gruhl: "Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins"; Erb Verlag, Düsseldorf 1982; 336 S., DM 32,-

Wolf-Dieter und Connie Hasenclever: "Grüne Zeiten. Politik für eine lebenswerte Zukunft"; Kösel-Verlag, München 1982; 236 S., DM 26,80

Allmählich hat sich ja herumgesprochen, daß Ökologen und Grüne über das Ein-Punkte-Anliegen "Umweltschutz" längst hinausgewachsen sind. Dafür sind nicht zuletzt jene Alternativen verantwortlich, die sich mit den Grünen verbunden und der neuen Partei in der turbulenten Gründungsphase ein stark linkslastiges Programm beschert haben.

Doch dabei ist es nicht geblieben. Denn "Sozialismus" ist nicht per se ökologisch, erst recht nicht jener Sozialismus der geübten Dogmatiker, die sich von der Marxschen Entfaltung aller Produktivkräfte nur schwer lösen können. Im Gegenteil, der programmatische Zwang, eine ökologische Wirtschaftsreform zu beschreiben, hat den Marxisten erhebliche Kopfschmerzen bereitet – so sehr, daß inzwischen andere Modelle wieder diskutiert werden und sogar der Markt als Regulativ (oder Korrektiv) wieder erwähnt werden darf. Der Politik wird wieder zugestanden, Bahnen und Ziele abzustecken, innerhalb derer die Wirtschaft sich ihren eigenen, ökonomisch bestimmten modus operandi sucht.