Von Monika Putschögl

Die Metamorphose vollzog sich fast unmerklich – es zischte nur ganz leise und die edlen weißen Coquilles St. Jacques hatten sich in graue Tennisbällchen verwandelt. Nur für Sekunden hatte der Meister seine Schüler aus den Augen gelassen.

Wir waren sechs, hatten alle Spaß am Kochen und ein bißchen Erfahrung auch. Aber just jenen war das Muschelmalheur passiert, die durch Reden und Handeln schon emsig bewiesen hatten, wie viel ihnen Essen und das Zubereiten von Speisen bedeutet. Man lernt eben nie aus. Das war die erste Lehre.

Der Küchenchef klärte uns gefaßt darüber auf, daß die Pfanne ganz heiß zu sein habe und niemals zu viele Muscheln auf einmal in den Topf dürften, sonst nämlich... Das Ergebnis verschwand lautlos.

In Kochkluft, das Notizbuch in der einen, den Probierlöffel in der anderen Hand, drängelten wir uns drei Tage neugierig um Urs Wilhelm und den Herd von "Vogelherd" im Schloßhotel Oberstotzingen bei Niederstotzingen (zwischen Günzburg und Heidenheim). Urs Wilhelm läßt sich ein paarmal im Jahr in Töpfe, Pfannen und Kühlräume gucken, pauschal organisiert von der Firma "Feinschmecker-Seminare Exquisite Küche".

Exquisit war zweifelsohne, was Urs Wilhelm mit und ohne unsere Hilfe auf die Teller brachte, exquisit waren die Speisen, exquisit die Zutaten.

Morgens um halb elf, wir haben uns gerade mit hausgemachter Marmelade und selbstgebackenem Brot, mit Leberwurst und Appenzeller, mit frischgepreßtem Orangensaft und Schinken für den Küchentag gestärkt, da liefert die Firma Rungis. Aus Frankreich kommen Tomatenkirschen und Löwenzahn, grüner Spargel, das Kilo zu 39,80 Mark, und Shrimps, das Kilo zu 36 Mark, Trüffel zu 320 Mark und Bresse-Taube (das Stück 11,90 Mark), dazu Baby-Langusten und Steinbutt, Seezunge und Lachs.