Zweifel mögen den neuen Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber angesichts ständiger Kostensteigerungen beim Schnellen Brüter plagen, ob die Kernenergie wirklich die billigste Energiequelle der Zukunft ist. Eher dröhnt ihm der Refrain „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt“ im Ohr. Über den anhaltenden Finanzierungsproblemen der neuen Kraftwerk-Prototypen werden jedoch die grundsätzlichen Fragen der Kernenergienutzung nur zu leicht vergessen.

Dankenswerterweise hat jetzt der Piper-Verlag einen Briefwechsel zweier prominenter Exponenten der Kernenergiedebatte veröffentlicht:

Peter Kafka/Heinz Maier-Leibnitz: „Streitbriefe über Kernenergie“. Piper Verlag, München, 1982; 238 Seiten, 24,– DM.

Kafka, als Astrophysiker am Max-Planck-Institut in München forschend, hat sich einen Namen gemacht, als er in Österreich vor der Volksabstimmung über das Kernkraftwerk Zwentendorf bei Wien energisch gegen dessen Inbetriebnahme polemisierte. Auf der anderen Seite steht mit Heinz Maier-Leibnitz ein renommierter Kernphysiker und langjähriger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zugleich ist er der Vater des ersten deutschen Forschungsreaktors in Garching bei München.

Schon diese Ausgangssituation läßt eine spannende Lektüre erhoffen. Und der Leser wird auch nicht enttäuscht. Gleichsam als Exposé ihrer unterschiedlichen Auffassungen sind dem Briefwechsel drei Reden vorangestellt, an denen sich die weitere Diskussion entzündet.

Maier-Leibnitz erweist sich dabei als ein behutsamer Befürworter der Kernenergie, die er für technisch sicher beherrschbar hält. Seine Wertungen basieren auf Risikoabschätzungen, wie sie auch bei anderen großtechnischen Anlagen gang und gäbe sind. Kafka, als Kontrahent, wendet sich strikt gegen die Kernenergie – da Großtechnologie – und plädiert für eine dezentralisierte Vorgehensweise.

Über die Gefahren von Kernkraftwerken und die Risikoabschätzung kommt es dann zu den ersten Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Autoren. In einer geradezu apokalyptischen Schau sieht Kafka, der seine Veröffentlichungen gern auch als „Predigten“ bezeichnet, in einer Welt mit Kernkraftwerken „die Wahrscheinlickeit für eine irreversible Schädigung des irdischen Lebens gegen Eins konvergieren“. Was er damit genau meint, wird jedoch nicht deutlich, und so ist diese Aussage Maier-Leibnitz zu pauschal.