Von Reiner Luyken

Der Bus rüttelt die schlaglöchrige Straße zur Anhöhe hinauf, die den Blick über die Bucht und die Sanddünen und die weit verstreut liegenden weißen Pachthöfe freigibt. Jonnie MacPherson schreckt aus der schläfrigen Trance der langen Busfahrt durch Einöde und Moorland auf und schaut aus dem Fenster, an dem langen Weidezaun hinunter seinem Heimatdorf entgegen.

Jonnie lächelt. Dann fährt ihm auf einmal die Röte ins Gesicht. Sein Blick fällt auf ein großes, weißes Laken, an zwei Pfählen neben der Straße aufgespannt, das in ungelenken Lettern verkündet: „Welcome home, Jonnie.“

Jonnie ist ein ruhiger, schüchterner Junge. Die chronische Arbeitslosigkeit in seiner Heimat, die Aussichtslosigkeit eines Lebens auf einem heruntergewirtschafteten Pachthof bewegten ihn vor zwei Jahren dazu, bei der Royal Navy anzumustern. Als die britische Admiralität eilends eine Armada für die Falklandinseln zusammenstellte, hatte er gerade das Mindestalter von 18 Jahren erreicht und durfte als junior seamam auf der Fregatte „Broadsword“ mitfahren. Jetzt, nach über vier Monaten Dienst im Südatlantik, kommt er auf Heimaturlaub nach Newbiggin.

An der Bushaltestelle wird Jonnie, kaum daß er die Stufen herabgestiegen ist, an den Busen seiner Mutter gedrückt. Freigekommen, schüttelt ihm der Vater die Hand, der, auf staksigen Beinen, mit gerade und selbstbewußt aufgerichtetem Rücken während der mütterlichen Begrüßung leise vor sich hingemurrt hatte.

„Jonnie, mein Junge, – bin stolz auf dich“ – Worte aus seinem schiefen Mund. Er ist betrunken.

Bruder und Schwester, beide jünger als Jonnie, vervollständigen das Empfangskomitee. Dann zwängt sich die ganze Familie in den rostigen, alten Austin, und der Vater steuert heimwärts.