Die Krise von Arbed Saarstahl belastet eine ganze Region

Von Heinz-Günter Kemmer

Jürgen Krackow blieb Schlimmes erspart. Der schwarze Anzug, den man traditionell beim Gang zum Konkursrichter trägt, kann im Schrank bleiben. Eine in letzter Minute von den Regierungen in Bonn und Saarbrücken verpaßte Liquiditätsspritze rettet die von Krackow geleitete Arbed Saarstahl GmbH in Völklingen vor der Pleite – gut 20 000 Arbeitsplätze sind vorerst einmal gesichert.

Aber die rechte Erleichterung will bei den Saarstahl-Beschäftigten in Völklingen, Burbach, Homund Neunkirchen nicht aufkommen, hat doch Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff an die neuerliche Hilfe harte Bedingungen geknüpft. So werden künftig jeweils 5500 Saarstahl-Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen sein, überdies werden bis Ende 1985 weitere 3500 Arbeitsplätze abgebaut.

Vor allem aber wird den Kurzarbeitern jetzt die erzwungene Muße nicht mehr durch Sonderzahlungen des Unternehmens versüßt. Sie müssen sich vielmehr für die Ausfallstunden mit jenen 68 Prozent des Nettolohns zufrieden geben, die ihnen das Arbeitsamt zahlt. Bisher legte die Firma immer so viel zu, daß 90 Prozent des Nettolohns übrigblieben.

Siegfried Dorr, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Saarstahl, beziffert die monatliche Einbuße auf 150 Mark. Noch gravierender ist der Einkommensverlust bei jenen 4500 Mitarbeitern im Werk Völklingen, die bisher in sogenannter Kontiarbeit rund um die Uhr schafften und dafür monatlich 350 bis 400 Mark an Zuschlägen kassierten. Denn auch damit ist es aus. „Sie können sich vorstellen“, sagt Dorr, „was das bei einem Nettoeinkommen von etwa 2000 Mark ausmacht.“

Angriff auf die Tariffreiheit