Everding ist flink wie ein Wiesel, er hört und sieht alles, nichts entgeht ihm. Jede Geste, jedes Wort stimmt. Es gibt nichts Überflüssiges, das ist reine Substanz. Der wundervolle Chor der Met blüht unter seiner Regie auf. Man spürt den Aufschrei der russischen Seele.

Rut Rex-Viehöver in einem Brief aus New York, publiziert in „Welt am Sonntag“

Rowohlt literarisch

Eines der hartnäckigsten Messe-Gerüchte ist glücklicherweise nur eines: vom Tatsächlichen weit entfernt. Es hieß, der Rowohlt-Verlag – dessen Buchprogramm inzwischen Matthias Wegner weitgehend allein bestimmt – stelle die Reihe „das neue Buch“ ein; damit wäre das Zentrum des literarischen Anspruchs aus dem Hause Rowohlt herauskatapultiert worden. Die von Jürgen Manthey herausgegebene Reihe, gleichsam ergänzt durch seine Taschenbuchzeitschrift „Literaturmagazin“, war in den letzten Jahren Forum der jungen Literatur und (zuwenig?) theoretischer Debatten. Gleichwohl hatte der Verlag Absatzsorgen – die Zahlen (die Rowohlt freimütig vorlegte) sind katastrophal: zwischen 1 und 7 Exemplare pro Monat schwankend, oft mehr Remittenden als Verkäufe. Wegner aber, der wohl nicht in den Ruf kommen möchte, das traditionsreiche Haus literarisch „auszuharken“, hatte den Mut nach vorn – Jürgen Manthey wird weiter „das neue Buch“ (und die Zeitschrift) herausgeben, die Bücher werden als Einzelexemplare ins Hauptprogramm genommen, also aus dem – vom Sortiment teilweise boykottierten – Reihengetto re-integriert in die Buchproduktion; eine feste Anzahl pro Jahr ist dem Herausgeber garantiert und das Versprechen gegeben, mehr Aufmerksamkeit dem anspruchsvollen Buch und weniger der Malpass-Produktion zu widmen. Ein Lichtpunkt im schattiger werdenden Verlagswesen – der hoffentlich nicht allzu rasch ausgelöscht wird. Eine Zusage, gleichermaßen erfreulich für Autoren wie Leser.

Die USA und ihr Hinterhof

Einem der besten Kenner der lateinamerikanischen Kultur, als Herausgeber einer Sammlung politischer Dokumente von José Martí bis Salvador Allende, „Der lange Kampf Lateinamerikas“ (Suhrkamp), und als Gast beim Berliner „Horizonte-Festivals 1982 – Lateinamerika“, auch bei uns bekannt, dem 56jährigen Angel Rama, seit einem Jahr Dozent an der University of Maryland, droht die Ausweisung aus den USA. Fragen nach den Gründen für die Verweigerung einer Aufenthaltsgenehmigung bleiben ohne Antwort. Der Hinweis auf den „McGarren-Walter-Act (eine Bestimmung aus der McCarthy-Ära) läßt vermuten, daß der gebürtige Uruguayer als kommunistischer Sympathisant angesehen wird. Schon vor 13 Jahren, 1969, wurde Rama, den die Militärdiktatur aus seiner Heimat vertrieben hat, im US-Konsulat in Montevideo eingehend befragt – weil er in Marcha, der angesehensten Zeitschrift Lateinamerikas, eine Artikelserie über Kulturvereine geschrieben hatte, die vom CIA finanziert wurden, weil er 1962 China besucht und sich öfters in Kuba aufgehalten hatte. Das Amerikanische P.E.N.-Zentrum und das „Komitee der US-Bürger zur Einhaltung der Helsinki-Verträge“ haben in Briefen an Außenminister Shultz und die Einwanderungsbehörde gegen die Behandlung des Literaturwissenschaften protestiert.

Clara und Robert Schumann: Alle Briefe