Solidarität in der Haft

Bronislaw Geremek, ein angesehener polnischer Sozialhistoriker und Berater Walesas, ist seit fast einem Jahr im Lager Darlowek in Pommern unter schlimmen Bedingungen interniert (s. ZEIT vom 5. Februar 1982). Der 50jährige ist ein kranker Mann. Proteste westlicher Wissenschaftler nötigten die Machthaber schon einmal, Geremek für fünf Wochen in ein Krankenhaus zu verlegen. Jetzt hat sich sein Gesundheitszustand erneut verschlechtert, aber eine zweite Verlegung ins Krankenhaus lehnt der prominente Häftling ab. Unter den Internierten in Darlowek – so ließ er wissen – seien zahlreiche Kranke, die niemand im Ausland kenne, deren Schicksal nicht zu Protesten im Westen führe, und die doch noch viel dringender intensive medizinische Betreuung brauchten als er selbst. Geremek will kein Vorzugshäftling sein. Darum weigert er sich, ins Krankenhaus zu gehen, es sei denn, man entließe ihn endgültig aus der Haft. Der inhaftierte Wissenschaftler lehrt das Regime, was „Solidarität“ bedeutet.

Knappe Siege

Glück oder cleverer Wahlkampf: Ronald Reagans Republikaner haben jedenfalls trotz starker Stimmenverluste ihre komfortable Mehrheit im amerikanischen Senat behauptet. Die Partei des Präsidenten stellt weiterhin 54 der 100 Senatoren. Doch die Siege fielen denkbar knapp aus: In fünf Staaten lag der republikanische Bewerber mit 51 Prozent der Stimmen vorn, während alle gewählten Demokraten weitaus deutlichere Mehrheiten errangen. Ganz geringe Stimmenverschiebungen in Missouri und Virginia, Connecticut, Rhode Island und Vermont hätten also ausgereicht, die Demokraten in beiden Häusern des Kongresses zur Mehrheitspartei zu machen.

Saubere Meere?

Erfreuliche Nachrichten für sieben Zehntel unseres Planeten: Die Ozeane der Erde sind heute weniger verschmutzt als vor zehn Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie über Schadstoffe in den Weltmeeren, die im Rahmen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (und als späte Folge der UN-Umweltkonferenz von 1972) erstellt und jetzt veröffentlicht wurde. Die schlimme Verschmutzung vieler Küstengebiete habe deutlich abgenommen, und das offene Meer sei noch überall in der Lage, die Umweltgifte soweit abzubauen, daß sie keinen Schaden anrichteten – das gelte selbst für Beinahe-Binnenmeere wie die Ostsee. Der Grund: Wirksame Umweltschutzbestimmungen in vielen Staaten, Verbot von DDT, Reduktion des Bleianteils im Benzin. Ein Freibrief für Umweltverschmutzer ist die Studie gewiß nicht: Besorgt konstatieren die Meeresökologen, daß umweltschädliche Chemikalien, die in den Industriestaaten verboten sind, im armen Süden der Erde immer noch und immer mehr eingesetzt werden und von dort in die Weltmeere gelangen.

Alternative international

Alle Grünen dürfen sich geehrt fühlen. Ihre Sprecherin Petra Kelly bekam den „alternativen Nobelpreis“, eine Auszeichnung der „Right Livelihood Foundation“, mit der Menschen und Institutionen bedacht werden, die „an praktischen Lösungen für die wirklichen Fragen der heutigen Welt arbeiten“. Die Preissumme von 50 000 Dollar, die aus dem Vermögen des schwedischen Briefmarkenhändlers Jakob von Uexküll stammt, teilt Petra Kelly mit zwei Männern und einer Institution: Anwar Fazal aus Malaysia bemüht sich als Gründer von Consumer Interpol darum, die Menschen in der Dritten Welt vor schädlichen Zivilisationsprodukten zu bewahren; dem Preisträger Sir George Trevelyan aus England geht es um eine „nicht-materialistische Vision der menschlichen Natur“, und das Participatory Institute for Development Alternatives will von Sri Lanka aus den Bauern in den Entwicklungsländern helfen, aus der Abhängigkeit von Monokulturen und vom Weltmarkt herauszukommen.