Durch die von der neuen Bundesregierung geplante Zwangsanleihe wird sich für viele die Steuerbelastung um fünf Prozent erhöhen. Was kann der Sparer tun, um sein steuerpflichtiges Einkommen niedrig zu halten?

Die Zinssenkung in der Bundesrepublik ist zwar zum Stillstand gekommen, dennoch können die Besitzer festverzinslicher Wertpapiere in diesem Jahr zufrieden sein, zumal der Endpunkt der Abwärtsbewegung sicherlich noch nicht ganz erreicht sein dürfte. Fortschritte kann es aber erst geben, wenn die amerikanische Notenbank mit einer Diskontsenkung vorangeht. Die Deutsche Bundesbank hat ihren Spielraum voll ausgeschöpft, wie der gestiegene Dollar-Kurs beweist. Es sei denn, die Frankfurter Währungshüter kommen zu dem Schluß, daß sich die Relation Dollar gegen Mark inzwischen unabhängig von den Zinsrelationen entwickelt, der feste Dollar also als Vertrauensbeweis in die in den USA betriebene Wirtschafts- und Finanzpolitik zu werten ist. Oder in deren politische Stabilität...

Viele Banken raten ihrer Kundschaft, die ruhigen Wochen am Rentenmarkt zum Nachdenken dazu zu benutzen, ob die im Laufe der Hochzinsphase erworbenen Bestände allen steuerlichen Gesichtspunkten standhalten.

Die von der neuen Bundesregierung angekündigte Zwangsanleihe führt bei ledigen ab 50 000 Mark steuerpflichtigem Einkommen und bei Verheirateten ab 100 000 Mark zu einer Anhebung der Steuerschuld um fünf Prozent. Für den einzelnen Steuerzahler stellt sich die Frage, inwieweit sich die Zwangsabgabe verringern läßt, auch wenn diese später zurückgezahlt werden soll, vermindert allerdings um den inzwischen eingetretenen Kaufkraftschwund. Eine Verzinsung ist nicht vorgesehen.

Nun hat der "fortgeschrittene" Sparer in festverzinslichen Papieren seit jeher auf die steuerlichen Folgen seiner Anlage geachtet. Das mußten alle jene tun, die zur Abgabe einer Einkommensteuer verpflichtet waren und bei denen die Zinseinkünfte die entsprechenden Freigrenzen überschritten. Daß sie es nicht alle ernst mit dieser Steueipflicht nehmen, läßt sich an den heftigen Reaktionen ablesen, mit denen gegen die Einführung einer Quellensteuer gewettert wird, ähnlich wie sie die Aktionäre seit jeher ertragen müssen. Es gibt Sparer, meine verehrten Leser, die eine solche Besteuerung deshalb für ungerecht halten, weil sie den steuerfreien Zinsertrag als Entschädigung für die jährliche Geldentwertung ansehen. Tatsächlich ist es auch wohl pervers, wenn der Staat auf die von ihm nicht verhinderten Inflationsraten auch noch Steuern erhebt.

Ein Grund mehr, steuerpflichtige Zinsen in steuerfreie Kursgewinne einzutauschen, wie sich die Oldenburgische Landesbank (OLB) in einem Exposé an ihre Kundschaft ausdrückt. Dabei geht sie von folgendem Tatbestand aus: Besitzer von 10 3/4prozentigen Bundesanleihen aus dem Jahre 1981 erlebten von September vergangenen Jahres bis Ende Oktober 1982 einen Kursanstieg von 99,25 auf 115,45 Prozent, also ein Plus von 16,3 Prozent. Der Kurs der etwa zum gleichen Zeitpunkt aufgelegten 11 prozentigen Bundesobligationen Ser. 17 stieg von 98,20 auf 108,80 Prozent (plus 10,8 Prozent).

Nun fragt die OLB, ob nicht eine Realisation der Gewinne lohnt. Denn wer das Laufzeitende der Emissionen abwartet, erhält auf alle Fälle nur 100 Prozent zurück. "Und die bis dahin hohen jährlichen Zinseinnahmen können für ihn zur Last werden, wenn er zunehmend in höhere Steuersätze hineinwächst."