Die verzweifelte wirtschaftliche Lage vieler afrikanischer Staaten alarmiert die Finanzexperten.

Den Afrikanern geht das Geld aus. Devisenmangel zwingt ein Land wie den Sudan auf die Einfuhr vom Medikamenten zu verzichten, und in Tansania ruhten vier Monate alle Entwicklungsprojekte, die mit Geldern der Weltbank finanziert wurden.

Die Misere vieler Länder begann mit dem Verfall der Rohstoffpreise, während gleichzeitig die Preise für importierte Industrieprodukte und Erdöl stiegen. Katastrophale Mißernten kamen hinzu. Viele Afrikaner werfen der amerikanischen Regierung, aber auch den Westeuropäern vor, gerade im Zeichen dieser Krise das Interesse an der Entwicklungshilfe zu verlieren.

Sprecher der Weltbank halten tatsächlich die Politik Washingtons für das größte Hindernis wirkungsvoller Stützungsmaßnahmen. Die International Development Association, über die die Weltbank zinsfreie Kredite gibt, hat selbst Schwierigkeiten, ihren Verpflichtungen nachzukommen, nachdem die USA ihre Zuwendungen um ein Viertel gekürzt haben.

Sogar ein relativ wohlhabender Staat wie Kenia sorgt sich heute um eine negative Handelsbilanz. Sambia, lange stolz, auf seinen eigenen Entwicklungs-Weg, verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds über die Bedingungen für einen Milliardenkredit, um seine Schulden zahlen zu können. Sambias Export bestand in besseren Zeiten zu 95 Prozent aus Kupfer; jetzt ist der Kupferpreis so gefallen, daß die Förderung ein Verlustgeschäft bedeutet. Was für Sambia das Kupfer bedeutet, ist der Kakao für Ghana: Der Kakaopreis ist auf dem Weltmarkt in vier Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Die ghanaische Regierung muß um einen Kredit des Internationalen Währungsfonds verhandeln, den der Rundfunk des Landes noch vor kurzem als "perfektes Instrument des Imperialismus" gebrandmarkt hat.

Selbst ehemalige Musterländer sind von der Krise erfaßt. Zimbabwe, seit drei Jahren unabhängig und anfangs noch ein Staat mit Exportüberschuß, steckt inzwischen deutlich in den roten Zahlen. Die jüngste Volkszählung hat überdies ein Grundproblem der meisten Staaten Afrikas dramatisch beleuchtet: Die Bevölkerung wächst rapide. 1960 hatte das damalige Südrhodesien fünf Millionen Einwohner; letzte Schätzungen sprachen von 7,6 Millionen; jetzt aber wurden mehr als zehn Millionen Menschen gezählt.

Der Zusammenbruch eines oder mehrerer hochverschuldeter afrikanischer Staaten könnte den internationalen Kapitalmarkt hart treffen. Jacques de Larosière, Direktor des Internationalen Währungsfonds, appelliert darum an den Selbsterhaltungswillen der Industriestaaten, wenn er sie zu größerer Bereitschaft zu Krediten aufruft. Nach seinen Berechnungen muß er demnächst über 40 Milliarden Mark auftreiben, um die Staaten Schwarzafrikas in den nächsten drei Jahren vor dem Kollaps zu bewahren. HJG