Zeitliches aus Japan

Große und mittlere Unternehmen werden im nächsten Frühjahr kaum noch Absolventinnen von Universitäten und Colleges einstellen“, alarmierte das Japan Recruit Center in Tokio die weibliche Jugend des Landes.

Die Firma, Nippons bedeutendstes Institut für Arbeitsmarktforschung und Stellenvermittlung, kam nach Umfragen unter den 1734 größten Unternehmen Japans zu niederschmetternden Ergebnissen für die gebildete junge Dame: Mademoiselle Butterfly mit Diplom, ist in der Rezession noch weniger gefragt als sonst.

Nur jede elfte der 65 000 Jungakademikerinnen und jede sechste der 120 000 College-Abgängerinnen werden 1983 Einlaß bei nur einigermaßen namhaften Firmen finden, insgesamt zwei Drittel weniger als im schon miserablen Frühjahr 1982. Konjunktur für Nippons Berufsberater oder in Fällen abgrundtiefer Verzweiflung über die zerronnenen Hoffnungen auf einen Job und die damit verbundenen Chancen, einen Mann fürs Leben zu finden – für die Psychiater? Mitnichten, wohl aber für die Branche des Dr. Fumihiko Umezawa.

Intelligenz und das Diplom einer Eliteanstalt allein scheinen Japans Personalchefs bei der Auswahl des weiblichen Nachwuchses wenig zu gelten, beteuert der gesuchte Dr. Umezawa sachkundig. Der Doktor muß es wissen. Er ist Chefchirurg des Jujin Hospitals in Shimbashi, dem Tokioter Distrikt, wo die Prachtstraße Ginza ihren guten Namen verliert.

Seine Klinik und sein begnadetes Skalpell haben sich schon immer um das Fräuleinwunder Japans verdient gemacht. In diesem Krisenherbst jedoch drängt es erstmals Nippons Nachwuchsakademikerinnen gezielt in hellen Scharen unters Messer des Meisters.

„Wenn die Rezession kommt, haben wir immer Konjunktur“, verrät Umezawa routiniert die Wechselwirkung zwischen schlechten Geschäften und gutem Aussehen. Aber der Ansturm Tausender Studentinnen, die keine Traumkarriere auf der Bühne oder als Stewardeß, sondern einen soliden Bürojob bei Banken suchen, stelle die Schönheitschirurgie vor grundlegend neue Aufgaben.