München

Computer mit ihrer Fähigkeit, eine Fülle von Aussagen jederzeit abrufbereit zu speichern, sind für Blinde ein hervorragend geeignetes Hilfsmittel, wenn sie das Gespeicherte akustisch wiedergeben können. Diese Idee hatten Ende 1979 der sehbehinderte Computer-Ingenieur Joachim Frank und der blinde Psychologe August Rüggeberg. Sie entwickelten Audiodata, einen sprechenden Computer für Blinde. In München wurde er kürzlich vom Bayerischen Blindenhund und der Vereinigung Integrationsförderung vorgestellt.

Grundlage von Audiodata ist ein in der Praxis bewährter, einfach zu bedienender Klein-Computer. Neu ist lediglich die Sprachausgabe. Audiodata kann Kurzinformationen wie Termine und Adressen auf "Disketten" speichern, auch längere Texte, Gesprächsnotizen zum Beispiel; er kann einfache und schwierige Rechnungen anstellen; man kann Labor- und Meßgeräte anschließen; handelsübliche Computer-Programme sind verwendbar, zum Beispiel für Buchhaltung, Bankabrechnungen oder für Schachspiel; über einen elektronischen Drucker läßt sich das Gespeicherte schriftlich wiedergeben, und schließlich ist Audiodata auch an Großrechner anschließbar.

Bedient wird der Computer über eine Tastatur, die weitgehend der einer Schreibmaschine entspricht. Beim Drücken einer Taste ist der angeschlagene Buchstabe, die Ziffer oder die Funktion der Taste zu hören, so daß der blinde Benutzer auch einen Fehler sofort erkennen und korrigieren kann. Bei der Wiedergabe fügt Audiodata die Buchstaben-Laute – in der Fachsprache Phoneme genannt – so zusammen, daß Sprache entsteht. Per Knopfdruck sind deutsche und englische Phoneme wählbar – Audiodata spricht dann deutsch oder englisch. Texte und Kurzinformationen werden so gut verständlich wiedergegeben. Schwierigkeiten hat der Blinde jedoch mit graphischen Darstellungen und Tabellen. Wenn der Computer die Zahlenangaben einer Reihe vorliest, fehlt dem Blinden das Bezugssystem, das der Sehende optisch wahrnehmen kann.

Mit TASO, der "taktil-akustischen Seiten-Orientierung", kann nun eine Bildschirm-Tabelle auch für Sehbehinderte erschlossen werden. Jede der 24 Bildschirm-Zeilen kann durch eine Taste angewählt werden. Dann wird die entsprechende Taste für eines der 80 Zeichen pro Zeile getippt. Mit zwei Fingern kann somit jeder beliebige Punkt auf dem Bildschirm hörbar und innerhalb seines Bezugssystems verständlich gemacht werden.

Mit seiner Größe, die einem Nähmaschinenkoffer vergleichbar ist, und mit seinem Gewichtvon rund 13 Kilogramm ist Audiodata leicht zu transportieren – zum Beispiel zwischen Wohnung und Arbeitsplatz.

Die Grundausstattung kostet 10 000 Mark, für einen Drucker kommen noch 1500 Mark dazu. Gegebenenfalls sind erhebliche Zuschüsse vom Arbeitsamt, von den Fürsorgestellen und in bestimmten Fällen – zum Beispiel für Studenten – von der Sozialhilfe zu bekommen.

Wer als Erwachsener erblindet oder seine Sehfähigkeit so sehr einbüßt, daß er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, hatte bisher wenig Umschulungsmöglichkeiten – er wurde Rentenempfänger. Mit Audiodata könnte er als Programmierer oder in vielen kaufmännischen Bereichen tätig sein. – Ein Blinder kann auf Grund seines geschulten Tastsinns ein guter Masseur sein. Die Terminplanung, die Führung der Patienten-Kartei und das Verfassen von Berichten, wofür er bisher auf fremde Hilfe angewiesen war, kann er nun mit dem sprechenden Computer selbständig durchführen. Eva Kirschenhofer