Wer einen scheelen Blick riskiert, ein spöttisches, gar abfälliges Wort über den Zipfelmützigen in Nachbars Garten äußert, kann sich gezwungen sehen, die Wohngegend zu wechseln. Mit den bisherigen Nachbarn wird er seines Lebens nicht froh. Als Giftzwerg bezeichnen sie ihn. Kaum jemand hört das auf Dauer gern.

Viele wird es unfaßbar dünken, aber sie werden geliebt.

Wer?

Die Gartenzwerge.

Geliebt von jung und alt, von Männern, Frauen, Kind und Kegel. Einer älteren, jedoch einzigen Meinungsumfrage zufolge von 62 Prozent der Einwohner in ländlichen Gemeinden und Kleinstädten, von 38 Prozent in Mittelstädten, von 32 Prozent der Bevölkerung in Großstädten. Die Zahlen beschränken sich auf jene Auskunftswilligen, die ihre lasterhafte Zuneigung zuzugeben bereit waren.

Von der Liebe werden keineswegs nur die Bürger der Bundesrepublik heimgesucht. Es muß sich um ein völkerkundliches Phänomen handeln. "Deutsche Gartenzwerge" sind ein begehrter Exportartikel, und zwar in steigender Tendenz. Die Vermutung liegt nahe, daß sie es auch dann noch sein werden, wenn schon längst niemand mehr eine Reißzwecke aus deutschen Landen erwerben möchte.

Ganze Zwergenvölkerschaften wandern jährlich nach Australien, Kanada, Südafrika, Japan, in die USA und in den Orient aus. Unter Moslems stößt ihr Dasein auf Schwierigkeiten. Der Koran verbietet die Zurschauhaltung figürlicher Darstellungen. Doch in verschwiegenen Ecken der Häuser europäisierter Islamiten werden sie von Kindern ans Herz gedrückt. Zwerge sind in den Gärten Spaniens und Italiens zu finden. Das exzessive England schmückt die Fenstersimse mit ihnen. Schweden, Land der Erzgruben und insofern urtümliche Heimat der Wichtel, meldet zu Weihnachten wahre Horrormengen zur Bestellung an. Bevorzugt wird das Modell "Zwerg mit Bergmannslampe".