Eine Abrechnung mit Gewalt und Brutalität der Chomeini-Junta

Von Bahran Nirumand

Der stolze Gang Seiner Majestät, König der Könige, Licht der Arier, in „die große Kultur“, die er dem iranischen Volk für dieses Jahrhundert versprochen hatte, landete im Sumpf. Geblendet vom Glanz der westlichen Zivilisation und Konsumgesellschaft, setzte der Schah zur Rettung seiner niedergehenden Herrschaft auf den Nationalismus und auf. die iranische Tradition. Die Geister der alten Könige wie Darius, Kyros und Xerxes wurden heraufbeschworen, und der Kaiser von Amerikas Gnaden präsentierte sich als deren Nachfolger. In Persepolis, wo hohe Gäste aus aller Herren Länder zum zweitausendfünfhundertjährigen Bestehen des iranischen Kaiserreichs geladen waren, kniete er mit dem goldenen Schwert in der Hand am Grabe des Kyros und rief aus: „Ruhe sanft, denn wir sind wach und wachsam!“

Es konnte aber jeder sehen, daß die prächtige Uniform des Kaisers und die Gewänder der Kaiserin in den Pariser Modehäusern angefertigt und Speisen, Getränke, ja sogar Blumen und Geschmeide aus Westeuropa und Amerika eingeflogen worden waren. Es waren Gelder aus dem Ölgeschäft, die dem Kaiser erlaubten, seine Gäste majestätisch zu bewirten, und während ein großer Teil der iranischen Bevölkerung hungerte, die Bewohner von Balutschistan und Sistan sich von Stroh und Dattelkernen ernährten, während Tausende in den Slums der Vorstädte ein menschenunwürdiges Dasein fristeten, herrschte in Persepolis Freude und Jubel.

Durch Fernsehen, Rundfunk und vom Hörensagen durfte das Volk erfahren, wie sich der Kaiser auf dem Pfauenthron die große Kultur vorstellte. Exotische Träume von 1001 Nacht, vom Großwesir und Scheherezade, vom Orient und dem Orientalischen wurden dort in Form von Theateraufführungen, abstrakten Gemälden, Skulpturen und serieller und elektronischer Musik durch westliche und verwestlichte iranische Künstler vorgeführt.

Mit iranischer Geschichte und Kultur, mit den Nöten, Wünschen und Träumen der iranischen Bevölkerung hatte das Ganze nichts zu tun. Die Massen durften nur am Rande der Straßen Fahnen schwingen, wenn die hohen Damen und Herren hinter den kugelsicheren, bläulichen Scheiben amerikanischer Straßenkreuzer, sitzend und winkend, vorbeifuhren.

Das Fest in Persepolis symbolisierte das Wesen und die Vorstellungen des kaiserlichen Hofes und der oberen Zehntausend, die in Reichtum schwelgten. Fabrikanten, Heroinschmuggler, Firmendirektoren und hohe Staatsbeamte hatten sich die Beute geteilt. Eine gut ausgerüstete Armee und ein wachsamer Geheimdienst sorgten dabei für Ruhe und Ordnung. Daß von ihrem Reichtum auch etwas für einen Teil des Mittelstandes heraussprang, lag weniger in ihrer Absicht als im Wesen des Systems selbst begründet, eines Systems, das nicht an den Bedürfnissen des Landes, sondern an denen des Weltmarktes und des ausländischen Kapitals orientiert war.