Fußball-Legende

Meine Herren", sagte Hermann Neuberger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und er hielt dabei den Türgriff hinter seinem Rücken mit fester Hand umspannt. "Meine Herren, ich werde Ihnen nun den neuen Bundestrainer vorstellen, Sie werden überrascht sein."

Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft schauten gespannt auf die Tür, die sich langsam öffnete, während der DFB-Präsident zur Seite trat. Und da stand er nun. Das Gesicht – eine Landschaft mit tiefen Furchen. Querrinnen auf der Stirn. Sorgenfalten über zwei blitzenden Augen.

"Ist das nicht?" fragte Karl-Heinz Rummenigge fast ehrfurchtsvoll. "Kenn’ ich nicht", sagte Bernd Schuster gelangweilt. "Meine Herren", sagte Hermann Neuberger, "wir haben ihn zurückbekommen." Und seine Handbewegung hatte einen großen Radius: "Sepp Herberger."

Die Überraschung war groß. Keiner sagte etwas, und keiner fragte nach dem Woher und Wieso. Der Alte war einfach da, ein offensichtlich sehr lebendiger Wanderer zwischen den Zeiten, aufgetaucht aus der Chronik des großen Fußballs.

"Wo ist der Fritz?" war seine erste Frage, schnell, fast gedankenverloren korrigiert: "Ach so, der Fritz Walter ist ja nicht mehr dabei."

Und dann die Frage an den Präsidenten: "Wer ist heute eigentlich der Spielgestalter in der Nationalmannschaft?"