Weinskandal in der Alpenrepublik: Manipulationen trotz strenger Kontrollen

Kaum ist die letzte Affäre um deutsche Weinpanscher aus den Schlagzeilen, bahnt sich ein neuer Skandal an. Diesmal geht es um österreichischen Wein. Ob es nur einige wenige clevere österreichische Weinhändler waren, die das strenge Kontrollsystem ausgetrickst haben, oder ob es sich um eine deutsch-österreichische Zusammenarbeit handelt, bleibt vorläufig – wie so vieles in diesem Geschäft – im dunkeln.

Sicher ist zunächst einmal dies: Nur 3,98 Mark sollte die 0,7-Liter-Flasche "1981er Rüster Auslese" kosten. Das machte eine Kellerei an der Mosel stutzig. Denn zu diesem niedrigen Preis hätte sie ihre österreichische Auslese selbst dann nicht anbieten können, wenn sie ohne Gewinn an die Verbrauchermärkte geliefert hätte. Nur ein Wein mit niedriger Qualitätsstufe hätte so billig sein können.

Der skeptische Moseler Kellermeister ergriff die Initiative: Er ließ die "1981er Rüster Auslese" im firmeneigenen Labor überprüfen, und ein paar Proben des angeblich so edlen Rebensaftes erhielt auch das Wiener Weinbauministerium. Das Ergebnis überraschte ihn nicht.

Die "81er Rüster Auslese" hatte in der Tat nicht die geringsten Merkmale einer österreichischen Auslese. Der Wein ähnelte eher, so die Auskunft, einem "vollsüßen spanischen Weißwein". Die Prüfer fanden so viel Zucker wie in keiner anderen Auslese, die die deutsche Kellerei seit zwölf Jahren je aus Österreich importiert hatte.

Die österreichische Weinbehörde entdeckte sogar noch mehr. Der "81er Rüster Auslese" war zu keiner Zeit ein Gütesiegel erteilt worden. Das goldene Siegel mit dem roten Pokal und der Nummer G 487-81 war gefälscht. Es war, zeigten die Akten, am 16. Dezember 1981 für 25 000 Liter "1980er St. Margarethener Auslese" verliehen, aber nicht abgerufen worden. Nun rätselt man, wie die Siegelnummer G 487-81 auf die Flaschen "1981er Rüster Auslese" gelangen konnte.

Denn die Vergabe des Siegels in Österreich scheint auf den ersten Blick gegen Fälschungen sicher zu sein. Wer in Österreich Wein exportieren will, muß zunächst zum Zoll. Dort werden aus dem Tank drei Proben entnommen, anschließend werden Proben und Tank plombiert. Die Proben untersucht das Weinsiegelbüro, das dem Exporteur das Analyseblatt mit den Angaben über Weinwerte, Mengen und einen Berechtigungsschein für das Weingütesiegel übergibt. Mit diesen Originaldokumenten wird der Wem in die Bundesrepublik geschickt. Doch mit den Dokumenten nehmen es die österreichischen Exporteure und die deutschen Händler nicht immer so genau.