ZEIT: Herr Schmitz, Ihr Unternehmen will Strom aus Frankreich importieren. Ist das denn billiger als der Bezug von deutschen Lieferanten?

Schmitz: Es geht uns nicht in erster Linie um Strom aus Frankreich. Zur Aufrechterhaltung unserer stromintensiven Produktionen benötigen wir preisgünstigen Strom. Eine Möglichkeit, diesen zu erhalten, besteht in der Anpassung der Betriebsweise der Anlagen an die Verfügbarkeit günstigen Stroms, zum Beispiel jahreszeitlich bedingt. Frankreich verfügt im Sommer mit wachsender Tendenz über Grundlaststrom aus Kernkraftwerken, der tatsächlich deutlich billiger angeboten werden kann, als die unflexiblen Bedingungen der deutschen Stromlieferanten es für die Zukunft vorsehen.

ZEIT: Nun haben die Franzosen wegen des starken Ausbaues ihrer Kernkraftwerkskapazität sicherlich im Augenblick einen Stromüberschuß. Aber können Sie auch langfristig damit rechnen, aus Frankreich sicher und billig versorgt zu werden?

Schmitz: Die Knappheit an preiswertem Grundlaststrom ist in Deutschland hoffentlich vorübergehender Natur. Deshalb stellen wir an die Dauerhaftigkeit der Versorgung unserer stromintensiven Produktionen in diesem Augenblick keine so hohen Anforderungen. Im übrigen soll uns die flexible Fahrweise die Wahrnehmung der jeweils günstigsten Bezugsmöglichkeiten für Strom gestatten.

ZEIT: Weder der französische Elektrizitätskonzern EdF noch die BASF verfügen über eine Leitung von der Grenze nach Ludwigshafen. Sie sind also auf Durchleitung angewiesen. Haben Sie darauf einen Rechtsanspruch?

Schmitz: Wir praktizieren bereits seit Jahren eine Durchleitung von Marl im Ruhrgebiet nach Ludwigshafen. Sie erfolgt auf vertraglicher Grundlage. Die Verweigerung einer Durchleitung eigenen Stroms stellt nach herrschender Auffasssung einen wettbewerbsrechtlich sehr bedenklichen Fall dar.

ZEIT: Wenn es mit der Durchleitung nichts wird – planen Sie dann eine Verlagerung stromintensiver Produktionen ins Ausland, und kommt da nur Frankreich in Frage?