Das Kleinod liegt nicht nur abseits, sondern geradezu im Verborgenen. Wer das Dorf Mogoşoaia (sprich Mogoschoaja) auf der kleinen Landstraße von Bukarest nach Ploieşti durchfährt, wird lediglich durch ein Schild an einer unscheinbaren Kreuzung auf das Schloß hingewiesen. Die ebenerdigen, eher etwas ärmlich wirkenden Häuser und die Eintönigkeit der halbhohen, weißgekalkten Lattenzäune lassen nichts Außergewöhnliches vermuten. Auch wer am Strand des Colentina-Flusses, der hier zu einem See aufgestaut ist, spazierengeht, ahnt nicht das fürstliche Anwesen in Ufernähe. Nur Kenner wissen, daß sich das rote Backsteinschloß nur ein paar Windungen weiter hinter Schilf und Binsen im Wasser spiegelt, und nur noch die ganz Alten erinnern sich an die letzten Bewohner, die Prinzen §tirbei und Bibescu.

Im Namen des Volkes fiel der Besitz an den Staat, der hier ein Museum für mittelalterliche Kunst unterbrachte und damit wohl die beste Lösung für das Baudenkmal hinter dem Bukarester Stadtrand gefunden hat. In einem Nebengebäude richtete der rumänische Schriftstellerverband eine "casa de creiatie" – ein Erholungs- und Schaffenszentrum für Bukarester Autoren ein, die sich in dieser vornehmen Umgebung revolutionäre Motive einfallen lassen sollen.

Das Schloß wurde von Constantin Brîncoveanu, Fürst Munteniens (der Großen und Kleinen Walachei), auf dem Grundstück der Witwe Mogoş für seinen Sohn Stefan errichtet. Das war im Jahre 1702, auf dem Scheitelpunkt seiner Regentschaft. Brîncoveanu besaß fünf weitere Paläste und Herrensitze – die Zeit überdauert aber hat in seiner ursprünglichen Gestalt nur das Schloß in Mogosoaia, sein liebstes, wie es heißt. Hier residierte er besonders gern, und selbst den Diwan – den Staatsrat – berief er mitunter in die Idylle von Mogoşoaia.

Aber die Geschichte ging nicht spurlos an den Bauwerk vorüber. Nachdem der rumänische Fürst in Ungnade gefallen war, verwandelten es die türkischen Machthaber in eine Karawanserei, Kriegsvolk plünderte innerhalb der nächsten Jahrzehnte wiederholt das Anwesen, und im Jahre 1821 schließlich verbrannten revolutionäre Söldnerhaufen die Bibliothek des Hauses.

Wer heute das Schloß besucht, betritt eine ringsum und bis ins Detail gepflegte Anlage – eher intim als grandios. Von der einstigen, prunkvollen Innenausstattung hat kaum etwas die Zeit überdauert. Von vergoldetem, mit Perlmutt eingelegtem Mobiliar, von venezianischen Spiegeln und kostbaren Teppichen wird nur noch berichtet. Von dem ungewöhnlichen Reichtum des Fürsten zeugen die Inventarlisten der nach Siebenbürgen in Sicherheit gebrachten Schätze: Goldbeutel, edelsteinbesetzte Waffen, kostbares Zaumzeug, teure Gewänder, Spiegel, Ikonen, Silberzeug, die Kronen.

Heute werden in den Sälen Kunstgegenstände aus dem 17. Jahrhundert gezeigt – aus der sogenannten Brincoveanu-Zeit, in der die Kunst diesseits und jenseits der Karpaten eine Blütezeit erlebte und ein neues Stilempfinden entwickelte, das sowohl aus der byzantinischen Tradition als auch aus Barock und Renaissance schöpfte. Die wertvollen Goldschmiedearbeiten – vielleicht die schönsten Stücke des Museums – kommen aus deutschen Werkstätten in Siebenbürgen, an die der rumänische Hof große Aufträge erteilte, Prunkstücke des Kronstädter Meisters Georg May II. und Arbeiten Sebastian Hanns, des wohl bedeutendsten Goldschmieds des siebenbürgischen Barocks.

In der Empfangshalle stoßen wir auf ein Porträt Constantin Brîncoveanus aus dem Jahre 1696, ein nachgedunkeltes Ölbild von unbekannter Hand, das keineswegs immer im Schloß zu Mogoşoaia hing, vielmehr die längste Zeit über im Besitz eines Klosters auf dem Berge Sinai war, in dem sich keiner mehr an den rumänischen Fürsten und an sein tragisches Schicksal erinnerte.