Während CDU und SPD den Wahlkampf noch proben, wird er von, nein, genauer: zwischen CSU und FDP schon heftig ausgetragen. Gerade die Not ihrer Schwäche, Unglaubwürdigkeit und Zerrissenheit gibt manchen Liberalen nichts anderes ein, als den starken Mann zu markieren: Also, kein Franz Josef Strauß in einer Regierung nach dem 6. März.

Das Konzept, das dahintersteht, könnte durchsichtiger nicht sein. Neu aufgelegt werden soll jene Anti-Strauß-Kampagne, die der FDP 1980 so viele Stimmen in die Scheuer fuhr. Und halb aus Lust, halb im Zorn schürt die CSU das Feuer: Was sie über die Kandidatur und die Bonner Pläne ihres Vorsitzenden in Umlauf bringt, soll die FDP reizen. Deren Reaktionen geben dann wieder Anlaß, Öl nachzugießen.

Hartnäckig fortgeführt könnte sich der Streit durchaus selbständig machen. Schon haben deshalb Hans-Dietrich Genscher und Graf Lambsdorff beschwichtigt: personelle Bedingungen könne es bei einer neuen Regierungsbildung nach den März-Wahlen nicht geben. Aber solche Beschwichtigungen sind auch verteufelt dialektisch, klingen sie doch wie eine halbe Anerkennung der Ansprüche des Franz Josef Strauß.

So offenbart der Wechsel für die FDP stets aufs neue die gleiche Fatalität: Ist sie nach dem 6. März überhaupt noch dabei, so fehlt ihr doch jegliche Handhabe zu Druck oder Drohung, denn zur SPD kann sie nicht zurück. Wie lange wird es also noch dauern, bis das Wort von der "babylonischen Gefangenschaft", in deren Ketten die Union einst die FDP an der Seite der SPD sah, in neuem Zusammenhang wiederkehrt?

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In der Deutschlandpolitik macht die neue Regierung eine gute macht Zwar verhält sich das Regime in Ost-Berlin mißtrauisch bis abwartend, zwar befürchten viele DDR-Bürger eher eine Wende zum Schlechteren. Aber die Zusammenkunft zwischen Karl Carstens, Hans-Dietrich Genscher und Erich Honecker am Rande des Breschnjew-Begräbnisses kann ebenso wie die Termine aus dem deutsch-deutschen Kalender der alten Regierung als Beweis dienen, daß die Gesprächsfäden nicht abreißen sollen. Das gilt für den Besuch von Bauminister Oscar Schneider in Magdeburg samt Treffen mit seinem Gegenüber in der DDR, Wolfgang Junker, anläßlich einer westdeutschen Bauausstellung; für die Eröffnung der Schinkel-Ausstellung aus der DDR in Hamburg durch den Staatsminister im Kanzleramt, Philipp Jenninger, und den Ständigen DDR-Vertreter in Bonn, Ewald Moldt; desgleichen für das Gespräch zwischen Verkehrsminister Werner Dollinger und seinem DDR-Kollegen Otto Arndt bei der Freigabe der neuen Autobahn zwischen Hamburg und Berlin.

Auch wenn nach wie vor unklar ist, wie eine Deutschlandpolitik bei leeren Kassen aussehen könnte, und selbst wenn nun die Moskauer Veränderungen ein zusätzliches Interim schaffen – als Überbrückung taugen solche Kontakte allemal.